Schluss mit Fasten: Die Kasseler Band Triosence

Mit melodischem Songjazz international erfolgreich: Die aus Kassel stammend Band Triosence mit (von links) Schlagzeuger Stephan Emig, Pianist Bernhard Schüler und Bassist Matthias Nowak bei einer Foto-Aufnahme im Deutschen Theater in Göttingen. Foto: Herwig/nh

Seit 15 Jahren ist die Kasseler Band Triosence mit ihrem melodischen Songjazz erfolgreich. Nun stellen die Musiker in Kassel ihr Live-Album vor, das sie in einer Fastenklinik aufgenommen haben.

Die Kasseler Jazzband Triosence wurde schon in Taiwan und den USA gefeiert und tourt gerade durch volle Clubs. In der ganzen Republik und am Montag auch im Kasseler Theaterstübchen stellen Pianist Bernhard Schüler, Schlagzeuger Stephan Emig und Bassist Matthias Nowak ihre neue Live-CD „One Summer Night“ vor, die eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte hat.

DER FÖRDERER 

Ohne Raimund Wilhelmi hätte es „One Summer Night“ nicht gegeben. Der Unternehmer, der in Überlingen am Bodensee die vielleicht berühmteste Fastenklinik der Welt leitet, stellte sich den Musikern 2008 nach einem Konzert in Berlin als ihr größter Fan vor. „Er hat eine der größten Plattensammlungen, die ich je gesehen habe“, sagt der aus Lohfelden stammende Schüler.

Seitdem ist Wilhelmi der Mäzen des Trios. Zwei Dutzend Mal spielte die Band in seiner Klinik. Im Gegenzug durfte Schüler dort fasten. Zehn Tage lang nahm der 35-Jährige nur Flüssigkeiten zu sich: „Man entgiftet den Körper und blüht richtig auf.“ Andere Klinikgäste lassen sich das bis zu 3500 Euro pro Woche kosten.

DIE AUFNAHME 

Am 20. Juli 2013 gaben Triosence ein Konzert im Kliniksalon, wo Kurgäste sonst die Fastensuppe zu sich nehmen. Wilhelmi ließ den Auftritt vom Kasseler Tontechniker Rolf Dressler mitschneiden, um die CD anschließend an Gäste zu verschenken. Aber dann klangen die Songs so gut, dass sie nun als richtiges Album mit opulentem Booklet erschienen sind. Das Cover stammt von Schülers Onkel Rainer Hoffmann. Die luftigen Bilder des aus Kassel stammenden und in Schweden lebenden Malers sehen so aus, wie die Musik von Triosence klingt.

DIE MUSIK 

„One Summer Night“ ist ein Best-of aus 15 Jahren Triosence und hat beinahe heilende Wirkung wie eine Kur. Wenn der an der Musikhochschule in Köln ausgebildete Schüler komponiert, steht die Melodie im Mittelpunkt. Mit diesem Songjazz haben Triosence sogar in Japan den Eindruck vom sonst so „steifen deutschen Jazz“ weggewischt, wie ein Kritiker dort schrieb. Live klingen die Stücke noch energetischer. Mit dem rockigen „The Road Ahead“ gibt es sogar einen Vorgeschmack auf das nächste Studio-Album. „Man muss sich immer ein bisschen neu erfinden“, findet Schüler.

DIE PLATTENFIRMA 

Mit dem Live-Album sind Triosence vom Plattenriesen Sony zum Indielabel Mons Records zurückgekehrt, wo sie einst groß wurden. Für Schüler ist das kein Rückschritt: „Nach drei Platten bei Sony hatte ich den Eindruck, dass da nicht mehr so viel passiert.“

DAS HEIMSPIEL 

Schüler lebt mittlerweile in Bremen, Emig und Nowak sind in Köln und Hannover zuhause. Kassel bleibt jedoch die Heimat. Darum freuen sich die Musiker aufs Theaterstübchen, das eine ähnliche Karriere wie ihre Band hingelegt hat und nun bundesweit bekannt ist. „Es ist einer der schönsten Clubs“, findet Schüler.

Triosence: One Summer Night (Mons Records). Wertung: vier von fünf Sternen 

Triosence spielen am 8. Dezember, 20 Uhr, im Kasseler Theaterstübchen, Jordanstraße 9. Tickets nur beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.