Zum Schluss die Krönung: Silvesterkonzert in der Martinskirche

Das Vocalensemble Kassel und das Orchester St. Martin barock musizierten unter der Leitung von Kantor Eckhard Manz (Mitte). Vorn rechts stehend die Sopranistin Verena Gropper. Foto: Malmus

Kassel. Höfischer Prunk und zeremonielle Würde waren dem Komponisten Georg Friedrich Händel alles andere als fremd. Davon zeugen beispielhaft die vier Coronation An-thems, die der Wahl-Londoner 1727 aus Anlass der Krönung des englischen Königs Georg II. komponierte. Zwei davon waren im traditionellen Silvesterkonzert in der Martinskirche zu hören.

Fußballfreunde konnten bei der ersten Hymne, „Zadok, the Priest“, unschwer erkennen, dass die Uefa die festlichen Klänge als Erkennungsmelodie für die Champions-League-Spiele ausgewählt hat. Hier aber, im Silvesterkonzert, wurde die Originalfassung geboten - für Chor, Solisten und Orchester. Und angesichts der ungemein kraftvollen Attacke, zu der Kantor Eckhard Manz das Vocalensemble Kassel und das Orchester St. Martin barock animierte, kam auch hier im voll gefüllten Kirchenraum durchaus Gänsehaut-Feeling auf.

Krönungsmusiken - das Thema dieses Silversterkonzerts - stehen allgemein für erhabene Festlichkeit. Allerdings auf durchaus unterschiedliche Weise. Henry Purcells A-cappella-Chorsatz „I was glad“, 1685 zur Krönung des englischen Königs James II. komponiert, ist ein kunstvoll schlichtes, inniges Stück Kirchenmusik, das - wunderbar differenziert gesungen vom Vocalensemble - nach dem Händel-Kracher eine starke Wirkung entfaltete.

Zwei Kirchenwerke Mozarts, die bei Krönungsfeierlichkeiten aufgeführt wurden, bildeten den Rahmen des Konzerts: die „Vesperae solennes de confessore“ KV 339 und die sogenannte Krönungsmesse KV 317. Anders als bei den repräsentativen Musiken Händels bedeutet Festlichkeit bei Mozart neben kaum getrübter Dur-Freude sinfonische Vielfalt und reiches solistisches Musizieren. Die Solisten Verena Gropper (Sopran), Ulrike Schneider (Alt), Achim Kleinlein (Tenor) und Thomas Laske (Bass) erwiesen sich als ausdrucksstarkes und gut abgestimmtes Quartett, wobei Verena Gropper, etwa beim „Agnus Dei“ am Ende, mit intensivem Ausdruck und feinem Timbre besondere Akzente setzte.

Ingesamt pflegte Manz einen sehr „protestantischen“ Mozartstil, äußerst direkt und geradlinig, dabei dynamisch fast schon zu kraftvoll. Langer und warmer Beifall, bevor es in die kalte Silvesternacht ging.

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