Schluss mit Verstecken: Die Band Selig beim Bundesvision Song Contest

Triumphe, Abstürze und eine schöne Rückkehr: Jan Plewka (vorn, von links), Leo Schmidthals und Stephan Eggert sowie (hinten von links) Malte Neumann, Christian Neander haben schon viel durchgemacht.

Es ist noch nicht lange her, als Jan Plewka seinem Gitarristen Christian Neander nicht mal auf der Straße begegnen wollte. „Ich habe mich im Hauseingang versteckt, damit er mich nicht sieht“, sagt der Sänger der Hamburger Band Selig über die Zeit, in der es seine Gruppe nicht gab.

In den 90ern waren die fünf Musiker mit Alben wie „Hier“ und deutschem Grunge eine der erfolgreichsten Bands hierzulande, dann fuhren sie „das Ding mit Größenwahn gegen die Wand“, wie Plewka im Interview mit unserer Zeitung sagt. 1999 lösten sich Selig ausgebrannt und im Streit auf, und bis auf Plewka und Schlagzeuger Stephan Eggert, die Tempeau gründeten, sprach keiner mehr mit dem anderen.

Im vergangenen Jahr haben Selig wieder zusammengefunden. Nicht weil die Musiker das Geld nötig hätten, wie Plewka beteuert, sondern weil sie letztlich doch wie Brüder seien und nur gemeinsam den Selig-Sound formen könnten. Die Mischung aus psychedelischem Seventies-Rock, Grunge-Gitarren und Metal-Anleihen ist auf dem nun erscheinendem Album „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ melodischer geworden. Vielleicht auch, weil „wir jetzt noch mehr zusammengewachsen sind“, wie Plewka sagt.

Der 39-Jährige versteckt sich nun nicht mehr, wenn er auf der Straße den Gitarristen Neander trifft. Und am Freitag (20.15 Uhr) will der charismatische Kopf, der zuletzt mit Rio-Reiser-Songs und der Oper „Die Zauberflöte“ auf der Bühne stand, von Millionen Menschen bei Pro 7 gesehen werden: Mit dem hymnischen Liebeslied „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ treten Selig bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest gegen Stars wie Ich + Ich und Unheilig an.

„Gibt es mehr als dieses Leben / ich wär zutiefst dazu bereit / dich bis zum Ende mitzunehmen / Von Ewigkeit zu Ewigkeit“, singt Plewka mit seiner wunderbar kratzigen Stimme und viel Pathos. So eine Liebeserklärung macht man nur einmal im Leben. Plewka hat sie für seine Frau geschrieben, mit der er drei Kinder hat und in Hamburg und Berlin lebt. Gewinnen möchte er bei dem Wettbewerb trotzdem nicht. Für den Fall eines Triumphs hatten Selig angekündigt, splitternackt von Berlin nach Hamburg zu laufen. Dabei möchte man wirklich nicht gesehen werden.

Selig: Von Ewigkeit zu Ewigkeit (Universal). Wertung: vier von fünf Sternen

Die Starter beim Bundesvision Song Contest:

Baden-Württemberg: Bakkushan („Springwut“)

Bayern: Blumentopf („SoLaLa“)

Berlin: Ich + Ich („Yasmine“)

Brandenburg: Das Gezeichnete Ich („Du, Es und Ich“)

Bremen: Kleinstadthelden („Indie Boys“)

Hamburg: Selig („Von Ewigkeit zu Ewigkeit“)

Hessen: Oceana & Leon („Far Away“)

Mecklenburg-Vorpommern: Sebastian Hämer („Is’ schon ok“)

Niedersachsen: Bernd Begemann & Dirk Darmstaedter („So geht das jede Nacht“)

Nordrhein-Westfalen: Unheilig („Unter deiner Flagge“)

Rheinland-Pfalz: Auletta („Sommerdiebe“)

Saarland: Mikroboy („Nichts ist umsonst“)

Sachsen-Anhalt: Silly („Alles Rot“)

Sachsen: Blockflöte des Todes („Alles wird teurer“)

Schleswig-Holstein: Stanfour („Sail On“)

Thüringen: Norman Sinn & Ryo („Planlos“)

Die Sieger

2005: Juli (Hessen, „Geile Zeit“)

2006: Seed (Berlin, „Ding“)

2007: Oomph! feat. Marta Jandová (Niedersachsen, „Träumst du?“)

2008: Subway To Sally (Brandenburg, „Auf Kiel“)

2009: Peter Fox (Berlin, „Schwarz zu Blau“)

Freitag, 20.15 Uhr, Pro 7

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