Interview mit dem Schauspieler über seine Band Gary, Rebellion und blöde Til-Schweiger-Filme

Robert Stadlober: „Schmeiß die Schule auf jeden Fall hin“

Machen melodiösen Indie-Rock: Robert Stadlober (Mitte) mit seinen Band-Kollegen Rasmus Engler und Astrid Noventa von der Band Gary.

Robert Stadlober hat schon immer sein eigenes Ding gemacht. Der österreichische Schauspieler spielte in Filmen meist junge Rebellen und macht mit seiner Band Gary Indie-Rock, der wahrscheinlich niemals den Weg ins Radio finden wird. Trotzdem ist das aktuelle Album „One Last Hurrah For The Lost Beards Of Pompeji“ toll geworden. Wir sprachen mit dem 27-Jährigen.

Das neue Gary-Album lag lange ungehört auf meinem Schreibtisch, weil ich dachte: Oh nein, schon wieder ein Schauspieler, der singt. Dann habe ich es aber tagelang ununterbrochen gehört. Sind Sie eher ein Musiker, der auch schauspielert?

Robert Stadlober: Die Grenzen sind fließend. Ich weiß allerdings, dass ich in einer privilegierten Situation bin: Es gibt nicht viele Musiker, die so lang an einer Platte herumdoktern können wie wir - weil ich Schauspieler bin.

Sie haben einmal gesagt, Filme würden Sie nur drehen, um Geld zu verdienen. Stecken Sie vielleicht doch mehr Leidenschaft in die Musik?

Zur Person:

Robert Stadlober wurde am 3. August 1982 im österreichischen Friesach geboren und wuchs in Berlin auf. Schon als Kind arbeitete er als Synchronsprecher („Familie Feuerstein“). Ohne Schulabschluss wurde Stadlober mit 15 Schauspieler. Der Durchbruch gelang ihm 1999 in Leander Haußmanns „Sonnenallee“. Es folgten Kino-Hits wie „Crazy“, Theaterproduktionen und Fernsehfilme. Vor zehn Jahren gründete Stadlober die Band Gary, in der er Gitarre spielt und singt. Ab dem 9. September ist er im Kinodrama „Zarte Parasiten“ zu sehen. Der 28-Jährige, der gerade eine neue Freundin hat, lebt in Berlin und Wien.

Stadlober: Nein, mit dem Satz wollte ich provozieren. Manchmal baut auch ein Architekt ein Haus, das er nicht bauen will. Mit der Schauspielerei kann man sein Geld einfacher verdienen. Mittlerweile ist Musik nur noch ein zeit- und geldintensives Hobby. Die Zeiten, in denen man mit 18 eine Band gegründet und mit 25 eine Villa hat, sind längst vorbei.

Im Bandinfo ist immer wieder von Ihrer Liebe im Jahrhundertsommer 2003 die Rede. Welche Liebe steckt hinter dem neuen Album?

Stadlober: Auf „One Last Hurrah For The Lost Beards Of Pompeji“ geht es um all das, was seit unserem letzten Album vor acht Jahren passiert ist. Also auch um große Niederlagen wie die Liebe aus dem Jahrhundertsommer 2003.

Das klingt traurig. Sind Sie nun wieder glücklich verliebt?

Stadlober: Ja, von der Liebe des Sommers 2010 handelt vielleicht das nächste Album. Wir schreiben schon neue Songs.

Sie bewegen sich in der unglamourösen Szene des Indie-Rock, in der Erfolg oft verpönt ist, und im schillernden Film-Business. Wie passt das zusammen?

Stadlober: Mit dieser Kinowelt habe ich wenig am Hut. Die meisten Leute aus meinem Umfeld haben mit Musik zu tun. So wie andere Leute in Urlaub fahren, gehe ich auf die Berlinale. Ich fühle mich in der Keinohrhasen-Welt nicht wohl.

Ihren Kollegen Til Schweiger haben Sie einmal als Ausgeburt der Hölle bezeichnet. Würden Sie niemals in einem seiner Filme mitspielen?

Stadlober: Ich bin nicht mehr so radikal. Wäre es ein toller Film, würde ich überlegen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Til Schweiger einen tollen Film macht, ist gering.

Sie haben mit 15 die Schule geschmissen. Wenn Sie den jungen Robert Stadlober heute träfen: Was würden Sie ihm sagen?

Stadlober: Ich würde ihm raten: „Schmeiß die Schule auf jeden Fall hin.“ Ich habe es nie bereut. Das war der große Erweckungsmoment meines Lebens.

Aber wenn Sie einen Sohn hätten und der mit 15 keine Lust mehr auf Schule hätte, würden Sie das doch nicht gut finden.

Stadlober: Nein, meinen Sohn würde ich zwingen, Abi zu machen. Eltern müssen so sein, damit die Kinder lernen zu kämpfen.

Sie gelten als Rebell. Lebt es sich gut mit diesem Image?

Stadlober: Langsam geht es mir auf den Geist, aber immerhin habe ich Narrenfreiheit. Wenn ich mal betrunken in der Kneipe sitze, sagen die Leute: „Von dem haben wir nichts anderes erwartet.“ Dabei bin ich genauso oft oder selten betrunken wie die meisten anderen Menschen.

Einmal kam es bei einem Konzert zur Schlägerei, nachdem Ihnen ein Rocker Pipi ins Gesicht geschüttet hatte. Sind Sie doch ein Rebell?

Stadlober: Der Rocker war ein Rebell, weil er 18-jährige Musiker angepöbelt hat. Ich habe mich noch nie geprügelt in meinem Leben, sondern wurde nur verprügelt. Wenn Männer getrunken haben und jemanden sehen, den sie aus dem Fernsehen kennen, testen sie schon mal ihre Männlichkeit aus. Mein Tipp in solchen Situationen: Wegrennen.

Gary: One Last Hurrah For The Lost Beards (Siluh Records). Wertung: !!!!:

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