Das Peter Weniger Quartett im Schlachthof

Zum Schmelzen

Höchstes Niveau: Peter Weniger (Saxofon), Pepe Berns. Foto: Koch

Kassel. Wenn man beim Konzert des Peter Weniger Quartetts im gut besuchten Kulturzentrum Schlachthof die Fenster geöffnet hätte, wären die Schneemassen vor dem Gebäude wahrscheinlich geschmolzen. Mit einem von südamerikanischen Einflüssen durchdrungenen Cabriolet-Jazz, in reichlich Blues getränktem Hardbop und Balladen, die wie wärmende Passatwinde fast unbemerkt ihre immensen atmosphärischen Kräfte entwickelten, verwöhnte man das Auditorium.

Auf den Anspruch, noch ein paar Stockwerke auf das Zent-rum der aktuellen Jazzmoderne setzen zu wollen, verzichtete man gänzlich. Das klang alles mehr nach Sonny Rollins als nach James Carter, auch wenn Pianist Hubert Nuss und Peter Weniger am Tenorsaxofon spieltechnisch auf allerhöchstem Niveau agierten. Man verließ nie die Vierviertel-ebene, setzte auf den Sechzigerjahre-Klangraum einer modal mutierenden Moll-Dur-Basis und unterlegte den Rhythmusbereich mit einem eher traditionellen Format.

Schlagzeuger Javier Reyes bediente dieses Idiom perfekt und bewies außerdem mit seinen sehr kolumbianisch gestimmten Toms ein exzellentes Klanggespür.

Auch auf Kontrabassist Pepe Berns war immer Verlass. Sowohl im begleitenden Pflichtteil als auch bei der solistischen Kür zollte man ihm zu Recht höchste Anerkennung. Dass sich bei den Songs immer wieder kleine Spielfraktionen bildeten, bei denen einer oder mehrere der Musiker verschnaufen konnten, tat der Choreografie des Abends sehr gut. So gab es viel Applaus für ein Quartett, das zu einem der besten in Europa zu zählen ist.

Von Andreas Köthe

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