James Dean, die tragische Ikone ewiger Jugend, wäre heute 80 geworden

Zu schnell fürs Leben

Cooler geht’s nicht: James Dean (1931 bis 1955) als Jett Rink in „Giganten“ (1955). Foto: Getty Images

Am 17. September 1955 klang James Dean gar nicht wie der zornige junge Mann, der er in unseren Köpfen bis heute ist. Der Schauspieler und Hobby-Rennfahrer drehte einen Werbespot zur Verkehrssicherheit und warnte vorm Rasen: „Fahrt vorsichtig! Vielleicht bin ich es, dem ihr damit das Leben rettet.“

13 Tage später war Dean wieder der Rebell, der sich nicht um Konventionen und Verkehrsregeln schert. Bei einer halsbrecherischen Fahrt auf der Route 46 raste er mit seinem Porsche Spyder im Süden Kaliforniens in den Tod. Sein Beifahrer, der deutsche Automechaniker Rolf Wütherich, der Dean zu einem Rennen im San Fernando Valley begleiten wollte, überlebte schwer verletzt.

Die Geschwindigkeit gehörte zum Leben von James Dean, der heute 80 Jahre alt geworden wäre. Kaum einer wurde schneller berühmt als der Sohn eines Zahntechnikers aus einem Kaff in Indiana. Abgesehen von einigen Komparsenrollen im TV spielte er lediglich in drei Filmen mit, aber sein früher Tod machte ihn zur Legende.

Marlon Brando, mit dem Dean zu Lebzeiten verglichen wurde, wurde später fett, Elvis Presley, für den Dean eine Ikone war, ein Drogenwrack, aber Dean blieb immer der coole Unnahbare mit der Sturmfrisur und der Zigarette im Mund. Hellmuth Karasek nannte dies die „ungreifbare unangreifbare Unsterblichkeit“.

Er war ein Held einer Generation, die gegen das miefige Amerika der 50er-Jahre aufbegehrte. Dazu gehörte es auch, „on the road“ zu sein. Mit seinem Tod und seinen Rollen erfand Dean den Berufsjugendlichen. Dies war kein einfacher Job. Seine Mutter starb, als James neun war. Wegen seines Vaters studierte Dean erst einige Semester Jura, ehe er in New York die Schauspielkurse des Actor’s Studio von Lee Strassberg besuchte.

Elia Kazan buchte ihn für seine Kain-und-Abel-Geschichte „Jenseits von Eden“, bei deren Dreharbeiten er sich bereits wie eine geniale Diva benahm: Statt Texte zu lernen, improvisierte er. Nicholas Rays „... denn sie wissen nicht, was sie tun“ und „Giganten“ mit Liz Taylor und Rock Hudson kamen erst mit mehr als einjähriger Verzögerung nach Deans Tod in die Kinos. Da war der Kult um seine Person längst im Gang. Noch Jahrzehnte später bekam der Star 8000 Briefe im Monat - vor allem von Mädchen, die sich um die Männer-Affären ihres Idols nicht scherten.

Zum Geburtstag haben die deutschen TV-Sender nicht einmal einen einzigen Film ins Programm genommen. Dabei wäre es schön gewesen, noch einmal diese unglaublich gute und doch total bescheuerte Mutprobe aus „Rebel Without a Cause“ zu sehen: In gestohlenen Autos rasen Dean als Jim Stark und sein Kontrahent Buzz auf eine Klippe zu. Wer als Erster aus dem Auto springt, ist der Hasenfuß. Buzz bleibt länger am Steuer, wird aber mit dem Wagen in die Tiefe gerissen. So viel Glück wie Jim Stark hatte James Dean nicht.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.