Horst Seidenfadens spannender Kriminalroman „Tristan - Der Name des Bösen“ verknüpft Historie und Gegenwart

Schockwellen eines Monsters: Spannender Kriminalroman „Tristan - Der Name des Bösen“

Manche Mörder gestehen schließlich, weil sie ihr Gewissen erleichtern wollen. In Horst Seidenfadens neuem Kriminalroman „Tristan - Der Name des Bösen“ ist das anders.

Lesen Sie auch

Horst Seidenfaden liest bei Thalia

Karl von Haldorf, der zur Zeit des Nationalsozialismus unter dem Decknamen Tristan agierte und von Gesinnungsgenossen noch immer so genannt wird, ist kein gewöhnlicher Mörder.

Dieser Mann hat Tausende Menschenleben auf dem Gewissen. Wobei auch diese Redensart für Haldorf nicht taugt, denn von Gewissensregungen kann bei dem 90-Jährigen, der noch immer von der nationalsozialistischen Ideologie durchdrungen ist, keine Rede sein.

Nicht gerade eine leicht zu handhabende Täterfigur für einen Krimi. Seidenfaden hatte sie als bösen Schatten im Vorgängerband „Die Akte Tristan“ bereits eingeführt. Darin hatte ein ehemaliger Kasseler SA-Mann der Polizei die „Akte Tristan“ zugespielt. Nun sitzt der finstere und stolze Altnazi in Kassel-Wehlheiden in Untersuchungshaft und denkt gar nicht daran, seine Untaten zu leugnen. Im Gegenteil: Er schreibt sie auf - nicht als Geständnis, sondern als Dokumentation. Damit will er jüngeren Gesinnungsgenossen als unbeugsamer Kämpfer imponieren.

Nach seinen ersten Morden in Kassel, denen in den Dreißigerjahren missliebige SA-Leute ebenso zum Opfer fielen wie Nazi-Gegner, wütete Haldorf im Zweiten Weltkrieg als SS-Mann im Osten. Unvorstellbar seine schlimmste Tat, die Ermordung eines ganzen Dorfes in der Ukraine. Haldorf hatte die Menschen in eine Kirche treiben lassen und diese dann eigenhändig in Brand gesetzt.

Seidenfaden versucht zu Recht nicht, das Unbegreifliche solcher Taten psychologisch zu ergründen. Gezeigt wird vielmehr eine im Äußersten verhärtete Persönlichkeit - und die Mischung aus Abscheu und Hilflosigkeit, mit der die Menschen in der Umgebung auf dieses menschliche Monster reagieren.

Hier kommt Anke Dankelmann ins Spiel, jene Kasseler Ermittlerin, die schon in Seidenfadens früheren Krimis zur Kultfigur aufgestiegen ist. Sie und ihre ebenfalls wohlbekannten Kollegen sind mit den Ermittlungen gegen Haldorf betraut. Aber nicht nur das. Gleichzeitig ereignen sich in Kassel mehrere Anschläge auf türkische Einrichtungen, und auch in neonazistischen Gruppen im Schwalm-Eder-Kreis geschehen ungewöhnliche Dinge. Stehen diese Ereignisse im Zusammenhang mit Haldorfs Verhaftung?

Es sind eine Menge Handlungsstränge, die Seidenfaden souverän miteinander verknüpft und die diesen Roman weit über das Niveau üblicher Regionalkrimis herausheben. Dazu gehören insbesondere die Rückblenden auf die Historie Kassels und die des Zweiten Weltkriegs.

Den Anke-Dankelmann-Fans sei verraten, dass die schwierig gewordene Beziehung der Polizistin mit dem Staatsanwalt Valentin Willimowski hier dem Ende entgegensteuert. Doch die neuen Wendungen in Dankelmanns Privatleben erhöhen noch die enorme Spannung dieses Krimis. • Horst Seidenfaden: Tristan - Name des Bösen. Verlag B & S Siebenhaar, 240 Seiten, 14,80 Euro.

Von Werner Fritsch

• Buchpräsentation: Heute, 20.15 Uhr, Thalia-Buchhandlung Kassel, Obere Königsstraße.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.