Die Johann-Strauß-Operette Wien war mit Lehárs „Land des Lächelns“ zu Gast in Kassel

So schön kann Liebe scheitern

„Dein ist mein ganzes Herz“: Attila Boros als Prinz Sou-Chong und Eva Saly als Lisa. Foto: Schoelzchen

Kassel. Operette ist immer nur lustig? Keineswegs, denn in Franz Lehárs „Land des Lächelns“ scheitert die Liebe von Lisa und dem chinesischen Prinzen Sou-Chong an den kulturellen Gegensätzen zwischen West und Ost. Resignation ist die Botschaft dieses Stücks, das seinen Durchbruch nicht von ungefähr im Schatten der Weltwirtschaftskrise 1929 hatte. Und das mit „Dein ist mein ganzes Herz“ eine der schmachtendsten Melodien des leichten Genres zu bieten hat.

Auf zuverlässige Weise ging beim traditionellen Gastspiel der Johann-Strauss-Operette Wien Lehárs traurige Geschichte über die Bühne der Stadthalle. Da gab’s ein einfaches, aber pittoreskes Bühnenbild, einen nostalgischen Orchesterklang unter der Leitung von Arienne Dorothea Agnoletto und eine Beschlagenheit für dieses Fach, die man in Österreich wohl im Blut hat.

Ein schmucker Dragonerleutnant wie aus dem Bilderbuch war Thomas Malik (Gustl), Anita Tauber (Mi) entfaltete eine reizende Soubretten-Anmut.

Als stattlicher, wenngleich nicht ganz taufrisch klingender Tenor erwies sich der nicht eben fernöstlich aussehende Attila Boros (Sou-Chong), und Eva Saly (Lisa) traf bis auf einige angestrengte hohe Töne den Operettenstil akkurat. Nicht zu vergessen: Hannes Prugger verkörperte zunächst den Grafen Ferdinand, dann den chinesischen Obereunuchen, der die 700 Zuhörer mit dem familiären Bekenntnis überraschte: „Schon mein Vater war ein Eunuch.“ Freundlicher Beifall.

Von Georg Pepl

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