Der Liedermacher Gisbert zu Knyphausen ist die Überraschung dieses Pop-Frühlings

So schön kann Schmerz sein

Auch eine leere Kaffeetasse kann melancholisch sein: Der Hamburger Liedermacher Gisbert zu Knyphausen hat es mit traurigen Liedern in die Charts geschafft. Foto: Williamson / nh

Wenn es stimmt, was alle erzählen, dann ist Gisbert zu Knyphausen der neue Karl-Theodor zu Guttenberg. Bevor der CSU-Mann Verteidigungsminister wurde, war er Deutschlands beliebtester Politiker. Der Songwriter Knyphausen heißt eigentlich Gisbert Wilhelm Enno Freiherr zu Innhausen und Knyphausen, was deutlich kürzer ist als der richtige Name von Guttenberg, der noch acht weitere Vornamen besitzt.

Derzeit ist der 30-Jährige so etwas wie der beliebteste Musiker Deutschlands. Die Kritiker nennen den Hamburger ein „verdammtes Genie“, „einen Giganten“ und den „Star der bundesdeutschen Songwriter-Szene“. Sein Album „Hurra! Hurra! So nicht.“ ist auf Rang zwölf der Charts eingestiegen - das ist eine kleine Sensation für jemanden, der nach seinem vor zwei Jahre erschienenen Debüt mit Reinhard Mey verglichen wurde.

Das mit der Liedermacher-Schublade findet Knyphausen nicht weiter schlimm. „Ich mache Lieder. Deswegen bin ich wohl ein Liedermacher“, sagt er im Interview mit unserer Zeitung. „Aber es ist mir egal, als was meine Musik bezeichnet wird. Entweder es gefällt einem oder es gefällt einem nicht.“ Es gibt praktisch niemanden, der mit „Hurra! Hurra! So nicht.“ nichts anfangen kann. Zu feinem Gitarrenspiel und lässigen Folkrock-Melodien singt Knyphausen über das Ende der Liebe und den „buckligen Winter“, über den Fluch der modernen Kommunikation und die Melancholie, die ihn selbst dann verfolgt, wenn ihm Gutes passiert. „Ach, fick dich ins Knie, Melancholie / du kriegst mich nie“, heißt es trotzig.

Wenn man ihn fragt, ob er gern weniger Weltschmerz verspüren würde, sagt er: „Auf keinen Fall.“ Wie seine Vorbilder Sven Regener (Element of Crime) und Conor Oberst (Bright Eyes) versteht er es, aus Schwermut große Kunst zu machen.

Dabei hat Knyphausen nach eigenem Bekunden bislang ein sehr schönes Leben gehabt. Seine Eltern führen in Eltville im Rheingau ein renommiertes Weingut. Nach der Schule ging Knyphausen zunächst nach Berlin, studierte Musiktherapie in Holland und gründete mit einem Freund schließlich die Plattenfirma „Omaha Records“, bei der „seltsame Songwriter mit seltsamen Namen“ erschienen, wie die Macher sagten.

Seltsam fühlt sich Knyphausen manchmal auch auf der Bühne. Er sagt, er stehe nicht gern im Mittelpunkt und sei vor Auftritten total nervös. Früher hat er sich zugeballert. Mittlerweile trinkt er weniger Bier: „Ich gehe alleine an die frische Luft. Das hilft.“

Gisbert zu Knyphausen: Hurra! Hurra! So Nicht. (Pias/Rough Trade) Wertung: !!!!!

Gisbert zu Knyphausen spielt am 11. Mai, 20.30 Uhr, im Kasseler Kulturzentrum Schlachthof, Mombachstraße 10-12.

Von Matthias Lohr

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