Was den Mai schön macht: Romantisches beim Kasseler Liedfestival

Sensible Interpretation: Der Pianist Alberto Bertino und der Tenor Musa Nkuna überzeugten mit Schumanns „Dichterliebe“. Foto: Hedler

Kassel. Wunderchön zeigte sich der Mai am Mittwoch beim Konzertabend des Kasseler Liedfestivals leider nur musikalisch.

Immerhin: Mit den Klängen des Liedes „Im wunderschönen Monat Mai“, das den Zyklus „Dichterliebe“ von Robert Schumann auf Gedichte Heinrich Heines eröffnet, war sie da, die romantisch leichte, durchaus frühlingshafte Stimmung. Der Tenor Musa Nkuna und der Pianist Alberto Bertino, beide in Kassel wohlbekannt, erfreuten die gut 180 Zuhörer im Haus der Kirche mit einer feinsinnigen Darbietung der kostbaren Liedsammlung.

Leise, dezent, detailreich ausgeformt kamen die meisten Lieder daher, passend zu Nkunas klarer, feiner Tenorstimme, die über eine Vielzahl von Piano-Schattierungen verfügt. Auch durch Nkunas lebendige Diktion reihten sich die poetischen Szenen wie Perlen einer Kette aneinander. Urromantisch etwa das mit verhaltener Leichtigkeit dargebotene Lied „Am leuchtenden Sommerorgen“.

Den – durchaus ironischen – Überschwang von Liedern wie „Ich grolle nicht“ herauszustellen, war allerdings weniger die Sache der beiden Interpreten, die am Ende zu Recht mit viel Beifall bedacht wurden.

In eine andere Welt entführten zehn Lieder Gustav Mahlers aus „Des Knaben Wunderhorn“, abwechselnd gesungen von Traudl Schmaderer (Sopran), Maren Engelhardt (Mezzosopran) und Stefan Zenkl (Bariton).

Das Doppelbödige auch der vordergründig unbeschwert daherkommenden Lieder war in den Interpretationen der piano.voce.Ensemblemitglieder ebenso präsent wie Mahlers gelegentlich skurriler Humor – etwa beim von Maren Engelhardt mitreißend dargebotenen Tierfabel-Lied „Lob des hohen Verstandes“.

Einen eindrücklichen Akzent setzte Traudl Schmaderer mit dem Lied „Wo die schönen Trompeten blasen“, hinter dessen scheinbarer Schlichtheit sie den tiefen Schmerz hör- und fühlbar machte. Mehr auf dramatische Wirkung angelegt war von Stefan Zenkl das berühmte Soldatenlied „Revelge“: Stimmlich souverän und ausdrucksstark, dazu von Alberto Bertino mit Mut zu dissonanter Schärfe begleitet.

Am Ende siegten aber nicht Leiden und Tod, sondern die Lebenslust: Als strahlende Quartett-Zugabe präsentierten alle vier Vokalisten Franz Schuberts gleichnamige Komposition, zugleich ein Vorgriff auf das Abschlusskonzert des Liedfestivals am Sonntag in der ev. Kirche Rothenditmold (20 Uhr) mit dem Titel „Lebenslust“.

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