Schön schräges Fest: Erdmöbel erfüllten in Kassel Weihnachtswünsche

Schöne Bescherung im Theaterstübchen: Markus Berges (Gesang und Gitarre) von der Band Erdmöbel. Foto: Hedler

Kassel. Einen Tag vor dem Auftritt in Kassel saßen die Musiker der Pop-Band Erdmöbel im sächsischen Plauen in der „Hotelbar unseres Lebens”. So nannte Sänger und Gitarrist Markus Berges im Theaterstübchen die Kellerbar im Hotel Alexandra, deren Wände voll mit Autogrammkarten waren: „Uns haben sie aber nicht gefragt.”

Es ist das Schicksal der Kölner Formation, dass sie seit Jahren die wunderbarsten Alben veröffentlicht, ihre Unterschriften aber nicht gefragt sind und ihnen vordere Charts-Platzierungen verwehrt bleiben. Dabei erfüllten Erdmöbel auch bei ihrem Kasseler Weihnachtskonzert vor 100 Fans jeden Punkt unseres Wunschzettels an einen tollen Live-Abend.

1. Ohrwürmer: Seit 2007 veröffentlichen Erdmöbel jeweils kurz vor Weihnachten Jahresendlieder. Die klingen live genauso erdmöbelig nach Chanson, Rock und dreckigem Easy Listening wie alle anderen Songs von Berges, Bassist Ekki Maas, Schlagzeuger Christian Wübben und Keyboarder Wolfgang Proppe. Den Refrain „Klingelingeling ding dong, Jesus weint schon” bekommt man bis Heiligabend nicht mehr aus dem Ohr. Und die James-Last-Hommage „Nonstop Christmas” wird der legendäre Bandleader im Himmel mitschnippen.

2. Kommunikation mit dem Publikum: Während Christa Becker (Flöte) und Henning Nierstenhöfer (Posaune) den Sound noch festlicher machen, geben Berges und Maas die Entertainer. Sie fragen die Kasseler, was es mit dem Laser, dem „dünnen grünen Weihnachtsbaum”, über der Stadt auf sich hat. Und Maas erklärt, wie sehr sich Schauspielstar Ulrich Matthes als Kind über die verhasste Melodika ärgerte, die er von seinen Eltern geschenkt bekam. Eben darum geht es in der neuen Single, ein Duett mit Matthes.

3. Mitmachaktionen: Die sind bei Konzertbesuchern etwa so beliebt wie Melodika-Geschenke bei Kindern, aber Erdmöbel schaffen es, dass die anfangs zurückhaltenden Fans zu „Ding Ding Dong” eine Polonaise durch den Club machen. Sogar der nüchterne Musikkritiker Eric Pfeil, der als Ein-Mann-Vorband auftrat, hat dabei seinen Spaß.

4. Politische Aussagen: Zwischen allem Weihnachtlichen schmettern Erdmöbel eine unpeinliche Hymne auf die Religionsfreiheit. Maas diskutiert einmal sogar mit einem Zuschauer über den wie ein Weihnachtsmann verehrten Altkanzler Helmut Schmidt und fragt, ob der wegen der Nachrüstung nicht für den Krieg in Syrien verantwortlich sei. Selbst wenn Erdmöbel ernst sind, sind sie schön gaga.

5. Etwas Bleibendes: Nach kurzweiligen fast zweieinhalb Stunden weiß jeder, dass Weihnachten gar nicht so schlimm ist. Die gerade erschienene CD „Geschenk +3” sollte unter jedem Weihnachtsbaum liegen.

 

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