Neu im Kino: „Das Bildnis des Dorian Gray“ nach dem Roman von Oscar Wilde

Schön und skrupellos

Altert nicht: Dorian Gray (Ben Barnes) vor seinem wundersamen Porträt. Foto:  ap

Man muss nur kurz durch die aktuelle TV-Landschaft zappen, um festzustellen, dass Oscar Wildes Schauermärchen „Das Bildnis des Dorian Gray“ auch nach 120 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt hat. Auch die neue Verfilmung des Stoffes gerät zwangsläufig zu einer bitterbösen Persiflage auf den Schönheitswahn und die Oberflächlichkeit der satten und reichen westlichen Welt.

London um die vorletzte Jahrhundertwende. Ein junger Mann namens Dorian Gray (Ben Barnes) erscheint auf der Bildfläche. Ob seines angenehmen Äußeren sorgt der Neuzugang in der feinen Gesellschaft für Aufsehen. Maler Basil Hallward (Ben Chaplin) porträtiert den Schönling mit wahrer Hingebung, Lord Henry Wotton (Colin Firth) wird zu seinem Mentor.

Bei wilden Ausschweifungen verliert Dorian rasch jede Unschuld. Mit dem ungehemmten Genuss gehen ketzerische Wünsche einher. Würde er doch immer so jung und potent bleiben. Kann nicht an seiner statt der alte Ölschinken verrotten?

Gewünscht, gewährt. Immer tiefer wird Dorian in einen Strudel aus Sexspielen und Gewalt gezogen, er muss keine Konsequenzen fürchten, keine Verantwortung übernehmen. Während sein Porträt zur Monstrosität mutiert, behält er selbst sein strahlend frisches Antlitz.

An den Menschen um ihn herum nagt freilich unerbittlich der Zahn der Zeit. Dann kreuzt die Liebe in Gestalt der reizenden Emily (Rebecca Hall) Dorian Grays Weg. Kann der Adonis mit dem schrecklichen Geheimnis noch die Kurve kriegen?

Regisseur Oliver Parker ist ein Wiederholungstäter in Sachen Oscar-Wilde-Verfilmungen. Seine Werke „Ein perfekter Ehemann“ und „Ernst sein ist alles“ verarbeiteten im Vergleich zum einzigen Roman des irischen Dichters natürlich leichten Stoff. Die schon häufig adaptierte Geschichte „Das Bildnis des Dorian Gray“ kommt wesentlich düsterer und philosophischer daher.

Parker, der seine Laufbahn als Schauspieler in Horror-Klassikern wie „Hellraiser“ begann, findet auch hier einen geeigneten Zugang. Seine gruseligen Wurzeln kann der Filmemacher immer dann nicht verleugnen, wenn es in seiner Version von „Dorian Gray“ so richtig zur Sache geht. Aber obwohl der Streifen auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten ist, ergeht er sich nicht in purer Effekthascherei.

Über weite Strecken genießt der Zuschauer hochqualitatives Schauspieler- und Ausstattungskino mit exzellenten Akteuren. Ben Barnes, der als edler Prinz Kaspian von Narnia diverse Mädchenherzen höherschlagen ließ, schlägt sich als Titelheld souverän. Aber auch der allzeit fantastische Colin Firth drückt diesem nicht unbedingt notwendigen, nichtsdestotrotz sehenswerten Werk seinen Stempel auf.

Genre: Romantik-Grusel

Altersfreigabe: ab 16

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von André Wesche

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.