So schön ist Volksmusik: Hans Well mit den Wellbappn in Vellmar

Jeder spielte fast alles: Hans Well mit seinen Kindern Tabea (rechts), Sarah und Jonas im Bürgerhaus Vellmar. Foto: Fischer

Vellmar. Ein typischer Tag im Hause Well im bayrischen Zankenhausen: Hans Well steht morgens auf, liest am Frühstückstisch den „Bayernkurier“, regt sich kräftig auf oder lacht sich eins über die Blödheit der da oben und unten.

Seine Kinder Sarah, Tabea und Jonas kommen hinzu. Überall stehen Musikinstrumente herum, jeder greift sich eins, und schon entsteht ein böses lustiges Volkslied. Ist es so? Wir wissen es nicht. Möglich wär’s. Nach der Auflösung der Biermösl Blosn ist die Welt jedenfalls nicht untergegangen.

Vorhang auf: Die nächste Generation ist angetreten. Man hat sich im Querschnitt verjüngt - grüß Gott: Hans Well und Wellbappn. Am Samstag gastierte das Quartett im Bürgerhaus Vellmar-West, einer der (noch) seltenen Auftritte nördlich des Weißwurstäquators.

Sie haben sich gut vorbereitet, das nordhessische Elend kam gleich zur Sprache: der Flughafen ohne Flugbewegungen, der Schwimmbadstreit, Hessentag und Pleitegeier. Eine bissige Zusammenfassung als Litanei, die sich noch lange fortschreiben ließe.

Tuba, Trompete, Geigen, Gitarre, Akkordeon, Drehorgel, Saxofon und, und, und. Jeder spielt fast alles, und doch kommt es nicht als Leistungsschau daher, sondern beiläufig, immer auf die Texte zugeschnitten und immer gegenseitig auf Augenhöhe. Nichts ist ihnen heilig, aber das war ja schon bei den Biermösl Blosn so, wo Hans Well ebenfalls getextet hat.

Satire, Groteske, Politkabarett und Sinn für die absurden Nuancen des täglichen Wahnsinns gehen Hand in Hand. Die Gemeinderatssitzung wird genauso tranchiert wie Tebartz-van Elst mit seinem Weihwasser-Whirlpool de luxe („Alle fallen über mich her, als ob ich ein Verschwender wär“).

Anrührend wird es, als Hans Well an den unlängst verstorbenen Weggefährten und Kollegen Dieter Hildebrandt erinnert. Das nachfolgende Ständchen beginnt getragen und endet sehr heiter. Hildebrandt hätte das gefallen.

Drei Zugaben verlangt das hingerissene Publikum und bekommt sie. Jonas Well zeigt, dass er ein begnadeter Trompeter ist und auf Playback (wie sonst in der volkstümlichen Musik üblich) einfach mal pfeift. Um schließlich noch Hansi Hinterseer anzublasen (dessen Gesang „schlimmer als Schweinegülle“ sei), lassen die Wellbappn Alphörner erklingen, die ins Publikum hineinragen. So schön kann Volksmusik klingen.

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