Interview: Til Schweiger hat die Fortsetzung der Patchwork-Familienkomödie „Kokowääh“ gedreht

„Schön, wenn jemand nett ist“

Mit „Kokowääh“ lockte Til Schweiger vor zwei Jahren 4,3 Millionen Besucher ins Kino. Nun folgt die Fortsetzung der Beziehungskomödie um eine Patchwork-Familie. Einmal mehr ist Schweiger Autor, Regisseur und Hauptdarsteller. Und wie beim vorigen Mal spielt wiederum Tochter Emma mit.

Herr Schweiger, Glückwunsch, Sie sind zum ersten Mal auf der Berlinale vertreten …

Til Schweiger: Dass ich dort einmal zu sehen sein würde, hätte ich nie gedacht. Es handelt sich allerdings nicht um „Kokowääh 2“, sondern um „The Necessary Death of Charlie Countryman“, den ich mit Shia LaBeouf und Mads Mikkelsen in Ungarn gedreht habe.

Der erste Teil von „Kokowäh“ hat 4,3 Millionen Besucher angelockt, wie groß ist bei der Fortsetzung der Erwartungsdruck?

Schweiger: Wir sind da relativ entspannt, weil die Erfahrungen bei den Testvorstellungen bereits großartig ausfielen. Auch der Trailer kommt prima an, wobei wir dort die Highlights der Gags gar nicht zeigen. Wenn der Film ins Kino kommt, ist man allerdings jedes Mal auf Neue nervös und wartet total gespannt auf die Besucherzahlen vom ersten Wochenende.

Ist eine Fortsetzung leichter oder schwerer?

Schweiger: Der große Vorteil liegt darin, dass man gleich in die Vollen gehen kann, weil man die Figuren nicht mehr einführen muss. Man kann die Rollen variieren, weil in zwei Jahren einiges passiert sein kann, aber man muss nicht mehr bei null anfangen und alles erklären wie beim ersten Mal.

Wie führt sich die Tochter vom Chef beim Drehen auf?

Schweiger: Die Tochter vom Chef führt sich so auf wie immer, nämlich sehr professionell. Inzwischen rollt Emma auch nicht mehr so oft mit den Augen, wenn man ihr sagt, dass sie eine Szene wiederholen soll. Von den Kollegen habe ich jedenfalls oft gehört: Die Kleine wird immer besser.

Wie groß ist die politisch korrekte Fallhöhe, wenn man begriffsstutzige Ausländer als Witzvorlage nimmt?

Schweiger: Es werden sicher wieder die üblichen Verdächtigen ganz aufgeregt behaupten, das wäre ausländerfeindlich. Diesen Vorwurf kenne ich noch aus „Knockin’ on Heaven’s Door“, wo Moritz Bleibtreu als Abdul nicht ganz perfekt der deutschen Sprache mächtig war. Genau das hat ihn allerdings zum Liebling der türkischen Szene werden lassen. Von Ausländern kam nie der Vorwurf, das wäre fremdenfeindlich.

Für mich gehört die Szene mit der „Duschlampe“ zu den witzigsten überhaupt. Deren Doppeldeutigkeit wird nämlich nicht nur von den Migranten missverstanden, sondern eben auch von den Deutschen.

Wo sammeln Sie die Pointen Ihrer Filme?

Schweiger: Die „Duschlampe“ stammt von meinen Kindern, die sich beim Baden mit diesem Wort beschimpft haben. Als ich das unterbinden wollte, haben sie mich wegen meiner Begriffsstutzigkeit nur ausgelacht. Nachdem ich das Wortspiel kapiert hatte, wollte ich das unbedingt in den Film übernehmen.

Wie kommt Sarah Brandner, die Freundin von Bastian Schweinsteiger, in Ihren Film?

Schweiger: Wir haben uns über den Basti kennengelernt. Ich fand Sarah bezaubernd - und nach einer bezaubernden Barkeeperin hatte ich genau für diese Szene gesucht.

Ist ein dritter Teil von „Kokowääh“ bereits geplant?

Schweiger: Vorerst nicht.

Warum ist „nett das neue sexy“, wie es im Film einmal heißt?

Schweiger: Weil „nett ist die kleine Schwester von Scheiße“ inzwischen doch ziemlich out ist. Es ist doch eigentlich schön, wenn jemand nett ist.

Von Dieter Oßwald

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