Kleine, aber gute Party

Schöne Hölle: Jens Friebe im Schlachthof

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Kongeniales Duo: Jens Friebe (rechts) mit Schlagzeuger Chris Imler im Schlachthof.

Kassel. Seit seinem Debüt "Vorher Nachher Bilder" (2004) gilt der Berliner Jens Friebe als einer der originellsten deutschen Songschreiber. Sein Auftritt im Kasseler Schlachthof war eine coole Party.

Wäre Jens Friebe ein Buch, würden die Kunden bei Amazon nach seinem Auftritt im Kasseler Schlachthof alle fünf Sterne vergeben. „Kundenzufriedenheit steht bei uns an erster Stelle“, hatte der Berliner Musiker zwischen zwei Songs gesagt und vom Auftritt am Vorabend in Würzburg erzählt, wo auch alle zufrieden waren. Nur hätten sie ihm gern noch länger zugehört.

Seit seinem viel gelobten Debüt „Vorher Nachher Bilder“ (2004) hat der gebürtige Lüdenscheider so viele gute Songs geschrieben, dass er damit Bruce-Springsteen-mäßig locker fünf Stunden füllen könnte. Seine Texte sind intelligent und originell, man würde sie auch als Buch lesen.

Die Lieder tragen Titel wie „Das mit dem Auto ist egal, Hauptsache dir ist nichts passiert“ sowie „Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus“. Und trotzdem kamen ins Nordstadt-Kulturzentrum nur 50 Besucher. Die Kasseler haben den Friebe-Song von der „geheimen Party“ womöglich zu wörtlich genommen.

So wurde es eben eine kleine, aber gute Party. Das lag nicht nur an Friebe, sondern auch am coolen Schlagzeuger Chris Imler, der hinter den Drums stehend wie wild auf die Elektro-Pads einhaute, und an Andi Hudl an den Synthies, der mit langer Mähne und Metal-Shirt gut in jede Hardrock-Band passen würde.

Die Musik ist eine Mischung aus Indie-Pop, Electro-Chansons, NDW-Punk, Kinderliedermelodien sowie der charmanten schlechten Laune der Hamburger Schule und damit sehr tanzbar. Die Stimme von Friebe, der Keyboard und Gitarre spielt, ist nicht die schönste, aber passend zu ebenso komischen wie systemkritischen Zeilen wie: „Und das Spiel heißt Hölle oder Hölle / machst du mit? / Die einen treten auf der Stelle, / die anderen sind die Stelle, auf der man tritt.“

Um seine Fans noch zufriedener zu machen, gab der 39-Jährige den Besuchern diesen Tipp mit auf den Weg: Udo Lindenbergs Ratschlag, dass man sein Ding machen solle, sei schön und gut, aber es komme eben vor allem auf das Ding an. Friebe macht sein Ding sehr gut.

Friebes Album „Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus“ ist bei Staatsakt erschienen.

Von Matthias Lohr

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