In Köln wird mit Alexandre Cabanel ein Salonmaler gefeiert - Christian Lacroix inszeniert die Schau

Schöne Schinken, schicke Kulisse

Dekorative Leihgabe aus Montpellier: Alexandre Cabanels „Albaydé“ (1848). Foto: Wallraf-Richartz-Museum

Köln. Über 270 000 Besucher bei den Impressionisten in Essen, 100 000 beim Wegbereiter der Moderne, Gustave Courbet, in Frankfurt. Und was zeigt das Kölner Wallraf-Richartz-Museum zum Auftakt des Jahres, in dem es sein 150-jähriges Bestehen feiert? Einen Salonmaler namens Alexandre Cabanel, den kaum jemand kennt. Das muss verwundern.

Das 19. Jahrhundert ist wieder in. Und es hat mehr zu bieten als Manet und Monet, Renoir und van Gogh. Das meint Andreas Blühm, Direktor des altehrwürdigen Kölner Hauses: „Ich finde Cabanels Bilder unglaublich.“ Mit dieser Ausstellung, die zuvor in Montpellier, der Heimatstadt des Künstlers, gezeigt worden ist, gehe ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. „Wer Cabanels Werke als Teil der Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts betrachtet, wird verstehen, wogegen sich die Impressionisten mit ihrer Malerei gewandt haben.“

„Cabanel by Christian Lacroix“: Die Schau wird wie ein Markenprodukt angepriesen, verspricht aber keine neuen Modekreationen, sondern zeigt Damen mit umschatteten Augen, opulente Historienmalerei und Kaiser Napoleon III., der Cabanel zu seinem Hofmaler gemacht hat. Die passende Kulisse für die schönen Schinken schuf Couturier Lacroix. Dieses Zusammenspiel hat bereits Kritik auf den Plan gerufen. Rufschädigend sei dies für ein öffentliches Haus.

Man kann darüber streiten, ob es nicht angemessener gewesen wäre, Cabanel und die Rolle der Salonmalerei deutlicher kunstgeschichtlich zu diskutieren, als den Maler als Apologeten des Schönen zu exponieren. Tatsache ist aber, dass der 1823 geborene Cabanel nicht irgendwer war, sondern einer der erfolgreichsten und angesehensten Künstler seiner Zeit. Und Art Director Lacroix hat eher zurückhaltend agiert. Seine braunen, blauen und roten Fototapeten mit dezent blassen Motiven nach alten Stichen liefern einen stimmungsvollen Hintergrund.

Wer Cabanel entdeckt, von dem sich kein Werk in einer deutschen Sammlung befindet, lernt einen Künstler kennen, dessen unzeitgemäße Bildthemen dem Geschmack der Zeit entsprachen. Neues war von ihm nicht zu erwarten. Er ging vielmehr konform mit der offiziellen Kunstdoktrin, und die hieß Akademismus: Malen nach strengen Regeln und an bedeutenden Vorbildern ausgerichtet. Für ihn waren das vor allem Michelangelo und Raffael.

Kulminationspunkte dieses konservativen Kunstverständnisses waren die Akademie, an der Cabanel lehrte, und der Salon, eine Art Kunstmesse, der eine Jury vorstand, die von Akademieprofessoren gestellt wurde. Hier schaffte der Maler mit seiner „Geburt der Venus“ den Durchbruch: Die Liebesgöttin räkelt sich von Putten umschwirrt und kess blinzelnd zwischen Himmel und Wellen.

Die erste Retrospektive des nach seinem Tod 1889 schnell vergessenen Künstlers ist ein Wagnis für ein Haus, das laut Direktor Blühm, „zur Bundesliga der deutschen Museen“ gehöre.

Bis 15. Mai, Tel. 0221/221-21119, www.wallraf.museum/ Katalog: 25 Euro.

Von Ulrich Traub

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