Große Emotionen beim Benefizkonzert am Welt-Aids-Tag - 180 Mitwirkende in der Kasseler Martinskirche

Das Schöne wurde zum Klang

Satter Klang: Aus unterschiedlichen Ensembles setzte sich der Chor in der Martinskirche zusammen. Foto: Fischer

KASSEL. Die Martinskirche war am Mittwochabend trotz Schneetreibens gut gefüllt. Das Benefizkonzert am Welt-Aids-Tag zugunsten der Aids-Hilfe Kassel hüllte sich in diesem Jahr in tiefe musikalische Trauer. Zwischen zwei großen Chorwerken mit Orchester bot allein (und etwas überraschend in diesem Umfeld) Antonín Dvoaks Ouvertüre „In der Natur“ eine unbeschwerte Note.

Um zu wissen, dass Aids und der Tod enge Gefährten sind, braucht niemand Nachhilfe, eher jedoch Tröstung und wohltuende Hoffnungsschimmer. Die boten beide Vokalwerke durchaus.

Im Mittelpunkt des Abends stand das Requiem von Luigi Cherubini, der vor 250 Jahren geboren wurde, ein Werk von geschlossener Anlage, tiefer, doch nicht ausplatzender Emotion, innerlich und doch öffentlich.

Mit diesen Eigenschaften ist es wie geschaffen für einen Dirigenten wie Karsten Koch. Er hat 180 Mitwirkende aus verschiedenen Ensembles (Kasseler Konzertchor, Opernchor, Orchestervereinigung Kurhessen, Staatsorchester sowie Schüler aus Homberg/Efze) zusammengeschweißt. Solche Massen zu bändigen, ist keine leichte Aufgabe.

Koch liebt die kleinen und besonders die großen Bögen, die langen Steigerungen. Sie gelangen ausgezeichnet, freilich war nicht jedes Forte vom Text gedeckt (zum Beispiel im „Agnus Dei“). Auch sanfte Stellen gelangen wie das zarte „Requiem aeternam“ zu Beginn oder das „Hostias“. Insgesamt war es ein satter Chorklang, der berühren sollte und dies auch tat, wenn man die regelmäßigen Intonationsschwankungen zwischen Chor und Orchester auszublenden bereit war.

„Nänie“ von Johannes Brahms auf Schillers Gedicht wurde dann zu einem Bekenntnis des Dirigenten („… denn das Gemeine geht klanglos den Orkus hinab“). Das Schöne, dessen Tod Schiller besingt, was Brahms wiederum auf den toten Freund Anselm Feuerbach münzt, wurde Klang und bewegte die Zuhörer erneut durch die bloße Macht der Musik. Denn der Text war nicht verständlich, und ein Textblatt gab es nicht.

Von Johannes Mundry

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