„Bilder einer Metropole“: Essen widmet den Impressionisten in Paris eine Schau

Schönheit des Augenblicks

Intensiver Moment: James Tissots „Die Zirkusliebhaberinnen“ von 1885. Foto: Museum of Fine Arts, Boston

Essen. In den Bildern, die die Impressionisten von Paris gemalt haben, wird erstmals die Großstadt zum zentralen Thema der Kunst. Überdies ist die Metropole an der Seine der Geburtsort der Fotografie - und damit die erste in Lichtbildern festgehaltene Stadt der Welt. Eine glanzvolle Ausstellung im Essener Museum Folkwang lädt uns zum Lustwandeln zwischen 200 Pariser Gemälden und Fotografien aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein.

Unter Kaiser Napoleon III. und seinem Stadtplaner Georges-Eugene Haussmann erlebte Paris einen gewaltigen Umbruch. Ganze Straßenzüge wurden abgerissen, um breite Boulevards und große Plätze anzulegen, Repräsentationsbauten und Bahnhöfe zu errichten. Das Werden der neuen Metropole dokumentieren Lichtbilder wie die von Edouard Denis Baldus aufgenommene „Baustelle des neuen Louvre“ oder Louis-Emile Durandelles Fotografie des im Bau befindlichen Eiffelturms.

Farbe in die Ansichten von der neuen Metropole bringen die Impressionisten. Deren malerisches Anliegen hat der zeitgenössische Kunstkritiker und Romancier Emile Zola so beschrieben: „Dies Studium des Lichts in seinen tausend Auflösungen und neuen Vereinigungen ist, was man mehr oder weniger zutreffend Impressionismus genannt hat, weil ein Bild von nun an der Eindruck eines Augenblicks ist.“

Wir folgen den Spuren der Impressionisten - und laufen dabei gelegentlich Gefahr, im Weg zu stehen. Diese Situation hat Gustave Caillebotte angezettelt, dessen Großformat uns in eine „Straße in Paris, an einem Regentag“ (1877) versetzt. Ein in voller Lebensgröße gemaltes Paar unterm Regenschirm kommt direkt auf uns zu. Weit größere Übersicht und Distanz bietet das von Camille Pissarro aus einem Fenster gemalte Bild „Die Place du Theatre Francais“ (1898). Der Blick wird steil nach unten auf den Großstadtverkehr gelenkt: Fußgänger sowie von Pferden gezogene Omnibusse und Droschken bahnen sich ihren Weg - und das alles ohne Fahrbahnmarkierungen.

Vincent van Gogh nimmt uns mit aufs Land. Er konnte selbst rauchenden Schloten eine pittoreske Seite abgewinnen, wie sein in satten, wie Edelsteine funkelnden Farben gemaltes Bild „Fabriken in Clichy, von Asnieres aus gesehen“ (1887) beweist. Ein gepflegtes Idyll zeigt hingegen in feiner Stricheltechnik George Seurats Gemälde „Die Seine bei Courbevoie“ (1884/85): Am Flussufer promeniert eine modisch mit Hut und Sonnenschirm ausstaffierte Dame, der ein Hündchen vorauseilt.

Nach diesem Ausflug aufs Land führt uns der Weg zurück nach Paris - und zwar in die Vergnügungsviertel. Mit leichtem Spott bedenkt James Jacques Joseph Tissot die gutsituierte Damenwelt in seinem Gemälde „Die Zirkusliebhaberinnen“ (1885): Durch Operngläser begutachten sie zwei auf Trapezen sitzende Männer, die sich in ihren engen Trikots mächtig aufplustern.

Die zahlreichen Menschen, die sich auf Pierre Auguste Renoirs Großformat „Tanz im Moulin de la Galette“ (1876) versammelt haben, verbreiten ansteckend gute Laune. Zuletzt stehen wir vor einem Gemälde (1890) von Maximilien Luce: Es zeigt den prächtig funkelnden Louvre und den Pont du Carrousel bei Nacht.

Bis 30.1.2011 im Museum Folkwang, Essen. Di.-So. 10-20 Uhr, Fr. 10-22 Uhr. Informationen: Tel. 0201-8845444, Internet: www.museum-folkwang.de. Der Katalog aus der Edition Folkwang/Steidl kostet im Museum 38 Euro

Von Veit-Mario Thiede

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.