„Kunst der Aufklärung“: In Peking wurde die größte deutsche Kunstausstellung eröffnet

Ausstellung in China: „Schönheit der Freiheit“

Deutschland präsentiert sich im Reich der Mitte: Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (links) zeigt im neuen Nationalmuseum in Peking Außenminister Guido Westerwelle und der für Kultur zuständigen Staatsrätin der Volksrepublik China, Liu Yandong, eine Dresdner Stadtansicht des Malers Canaletto. Das Bild ist Teil der Ausstellung „Kunst der Aufklärung“. Foto: dpa

Peking. Die „Kunst der Aufklärung“ ist im Reich der Mitte angelangt. Selten hat eine deutsche Ausstellung im Ausland so viel Interesse ausgelöst. Die Erwartungen sind groß, in Deutschland vielleicht noch mehr als in China.

Seit Freitag präsentiert Deutschland sich und die „Kunst der Aufklärung“ im größten Museum der Welt - dem renovierten Nationalmuseum von Peking. Zugleich ist dies die bislang umfangreichste deutsche Kunstausstellung im Ausland. Fast 600 Werke und Objekte aus staatlichen Sammlungen in Berlin, Dresden und München werden ein Jahr lang in der chinesischen Hauptstadt gezeigt.

Das Thema selbst ist für China ein Politikum. Eröffnet wurde die Schau von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und der chinesischen Staatsrätin für Kultur, Liu Yandong.

Monumental: Das neue chinesische Nationalmuseum am Platz des himmlischen Friedens. Foto: dpa

Dass die Chinesen ihr umgebautes Nationalmuseum auch mit einer Schau aus dem Ausland wieder in Besitz nehmen, halten viele für eine Geste der Offenheit. Dass sie dafür das Thema „Aufklärung“ wählten, scheint souverän. Letztlich wirkt der Titel der Ausstellung doppeldeutig. Zum einen geht es um Kunst einer wichtigen Epoche Europas, als sich der Kontinent von Absolutismus und Dogmen verabschiedete. Zum anderen geht es um die Kunst, Werte zu vermitteln, um die Kunst der Diplomatie.

Nach den Ereignissen in der arabischen Welt hatte China zuletzt jeden Ansatz von Protesten im eigenen Land rabiat unterdrückt. Westerwelle musste deshalb den richtigen Ton treffen und versuchte es mit Fabulierkunst. „Die Freiheit der Kunst ist die schönste Tochter der Aufklärung. Und zur Freiheit der Kunst gehört auch die Kunst über die Schönheit der Freiheit.“ Die Deutschen hätten ihre Lektion aus der Geschichte gelernt. Kunstfreiheit sei auch immer ein Gradmesser für die Menschlichkeit einer Gesellschaft, sagte Westerwelle.

Wer den Weg zur „Kunst der Aufklärung“ in Peking beschreitet, muss zunächst durch eine Sicherheitsschleuse. Vorsicht ist auch in China die Mutter der Weisheit. Als Blickfang und Werbeträger der Schau dient Gottlieb Schicks „Porträt der Heinrike Dannecker“ (1802) aus den Berliner Museen. Köpfe führender Aufklärer wie Lessing, Kant, Voltaire und Schiller flankieren die riesige Schautafel am Eingang. Danach kann der Besucher in neun Abteilungen Facetten der Aufklärung und ihre Wirkung bis in die heutige Zeit kennenlernen. Dafür stehen unter anderem Gemälde, Skulpturen, Mode und wissenschaftliche Geräte.

Einen Kompromiss mussten die Organisatoren auf jeden Fall machen. Man habe den Chinesen lange Schrifttafeln ersparen und lieber schöne Stücke für sich sprechen lassen wollen, sagt Kuratorin Cordula Bischoff. Ihre Kollegen aus China legten viel Wert auf großzügige Raumgestaltung. Schließlich werden täglich bis zu 5000 Menschen erwartet.

Nachdem die Ausladung des Schriftstellers Tilman Spengler - er erhielt von den chinesischen Behörden keine Einreiseerlaubnis - für einen Misston gesorgt hatte, endete bei der Eröffnung alles im Wohlklang. Dafür sorgten auch die Musiker der Staatskapelle Dresden. Lorin Maazel dirigierte Beethovens „Eroica“ - ein Hit aus den Tagen der Aufklärung. (dpa)

Von Jörg Schurig und Christoph Sator

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