Tanz, Musik und Literatur vereint in der Reihe Achtmal Alte Brüderkirche

Schönheit und Widersinn

Olaf Pyras Fotos: nh

Kassel. Nicht nur Klänge haben es dem Schlagzeuger Olaf Pyras angetan, er ist auch fasziniert vom mathematischen Geist der Kunst. Nun gestaltete er mit der Choreografin und Tänzerin Deborah Smith-Wicke einen Abend in der Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“, bei dem sich sinnliche Wirkung mit Konstruktivität vereinte. Und bei dem Stöcke und ein mit Materialien wie Styroporflocken präparierter Boden eine bedeutende Funktion hatten.

Durch Schönheit, artistisches Können und Strenge zeichnete sich das zentrale Tanzstück aus. Smith-Wicke, Annika Hofmann sowie Susanna Horn, Annika Lisa Oettinghaus und Verena Voss, drei Absolventinnen von Smith-Wickes Tanzschule „Sozo visions in motion“, vertanzten ein Werk des Komponisten Mauricio Kagel.

„Pas de cinq für präparierten Boden und Stöcke“ heißen die Wandelszenen, die sich Kagel 1965 ausgedacht hat. In geometrischen Figuren sind darin die Wege der Darsteller festgelegt, exakt notiert sind zudem alle Fuß- und Stockrhythmen. Was die Kasseler Version wohl einzigartig machte: Die Vorgaben wurden in die Sprache des modernen Tanzes übersetzt.

Sinnliche Wirkung und Konstruktivität walteten auch in der Musik, die Pyras sowie Marcel Quappen, Lars Kraume und Jörn Peeck vom Schlagzeugensemble der Kasseler Uni darboten. Darunter ein Stück für vier große Trommeln als ein mächtiger im Raum rotierender Klang in strenger Kanonform und ein von Marcel Quappen souverän gespieltes Marimba-Solo des im Mai verstorbenen Musiktheoretikers Diether de la Motte.

Strukturen können schön sein, aber auch absurd. Letzteres demonstrierte Pfarrer Hermann Köhler mit Georges Perecs „Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten“. Eine nach einem mathematischen Modell geschaffene Erzählung, eine böse kafkaeske Parodie auf bürokratische Hierarchien. Viel Beifall der 130 Gäste.

Von Georg Pepl

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