Noch bis zum 28. August zeigen fünf Künstler „Ophelia“ im Kunstbalkon

Romantik des Suizids: "Ophelia" im Kasseler Kunstbalkon

Romantik des Suizids: Aus Holz, Plastik, Marmorstaub und Kasseler Erde schuf Hildegard Jaekel ihre Ophelia. Fotos: Müller

Kassel. Nackt und wunderschön liegt sie da. Das blonde Haar schimmert, das Gesicht gen Boden gerichtet. Sie ist tot. Ihr Körper ist mit einer grünen Schlammschicht überzogen: eine Wasserleiche. In ihrem Objekt „Romantik des Suizids“ verarbeitete die Kasseler Künstlerin Hildegard Jaekel ein klassisches Motiv der bildenden Kunst: Shakespeares Ophelia. Mit weiteren Künstlern aus Berlin, Eisenach und Kassel zeigt sie ihre Arbeiten im Kunstbalkon.

Jeder der fünf Künstler hat sich auf eigene und durchweg sehr reizvolle Weise durch die tragische „Hamlet“-Figur inspirieren lassen, die infolge ihrer unerfüllten Liebe zu Hamlet und des Todes ihres Vaters Selbstmord begeht. So begriff Jaekel ein Bildnis des Präraffaeliten John Everett Millais (1852) als Ausgangspunkt für ihre künstlerische Auseinandersetzung.

Die Eisenacher Künstlerin Sabine Rittweger schuf ihre poetischen Werke aus Papier, Farbe und Draht nach Zitaten des Brecht’schen Gedichts „Vom ertrunkenen Mädchen“ (1919). So zeigt etwa „Dass es auch noch für sie Morgen und Abend gäbe“ einen friedlich in dunklem Wasser treibenden Frauenkörper mit einem Zweig auf der Brust.

„Tanz in den Tod“ heißt eine Skulptur des Eisenachers Friedrich Rittweger. Geschaffen aus Zeitungspapier und aufgestellt unter freiem Himmel, wird sie zum sichtbaren Beweis für die Vergänglichkeit des menschlichen Körpers. Beklemmend wirken dagegen seine dunklen, überwiegend angedeuteten Werke der Reihe „Liebe - Wahnsinn - Tod“.

Akribisch konkret arbeitete der Kasseler Bernhard Skopnik in seinen Zeichnungen, die die Jugend der Ophelia darstellen. In klaren Formen und starken Farben zeigt er sie zwar lebendig, ihr Schicksal aber ist in den Bildern bereits angelegt, wenn sie mit ihren Dämonen balanciert oder auf ein Sägeblatt zu ihren Füßen herabschaut.

In einem poetischen Kommentar schließlich verarbeitete die Kasselerin Dr. Gertrude Betz die Verbreitung der Schönen in Kunst wie im täglichen Leben: „Wasserleichenpoesie schwemmt von Rimbaud Seite um Seite sie zu Trakl, Heym, Benn und Brecht, treibt sie zum Irgendwer.“

„Ophelia“ im Kunstbalkon, Quiddestraße 3, noch bis 28. August, donnerstags bis sonntags, 18 bis 21 Uhr.

Von Alexandra Müller

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