Bosse und Band spielten beim Sommer im Park euphorischen Deutschpop zu tropischen Temperaturen

Schönste Zeit beim Schwitzen

Überzeugte mit vollem Körpereinsatz: Axel Bosse sang und tanzte eineinhalb Stunden lang bei über 30 Grad im Vellmarer Festzelt. Foto:  Zgoll

Vellmar. Es war ein schwitzhüttenähnliches Erlebnis. Draußen 28 Grad und Sonnenschein. Drinnen Dunkelheit, Lightshow, Musik und ein paar Grad mehr. Bosse hätte gern den leichten Blouson ausgezogen. „Doch“, so erläutert der Musiker, „dann sehe ich so wurstig aus.“

Axel Bosse und seine Band sind gut gelaunt, ihr Deutschpop ist euphorisch. Die Songs, die sie seit zehn Jahren zusammen produzieren, erzählen vom Sichtreibenlassen, Runterkommen, Akzeptieren und Entspanntbleiben, vom Leben und Träumen, von romantischen Momenten und Frauen, schönen und lügenden und solchen, die einen verlassen haben. Bosse singt und tanzt, stampft und springt. Blouson und T-Shirt sind nach wenigen Songs vom Schweiß durchtränkt. Früher wäre das einmal anders gewesen, sagt er, aber er sei ja schon 34.

„Lasst uns tanzen!“, ruft Bosse. Die Band spielt „Schönste Zeit“, den großen Hit aus dem vergangenen Jahr, und das Publikum mit den Stehplatzkarten im Innenraum tanzt. Am Ende des Liedes dreht Bosse das Mikrofon in Richtung Innenraum um und das Publikum singt, ohne weitere Aufforderung: „Und Berlin war wie New York, ein meilenweit entfernter Ort, und deine Tränen war’n Kajal, an dem Tag als Kurt Cobain starb, lagst du in meinen Armen, das war die schönste Zeit.“ Bosses Texte feiern das Gefühl, die Jugend und die Erinnerung. Dem Publikum sprechen sie aus dem Herzen. Es singt sie, als wären es die eigenen.

Bosse und Band umhüllen die fast 1000 Gäste im Vellmarer Festzelt mit einem intensiven Klang. Er hat eine starke Stimme. Die Band ist mit Gitarren, Bässen, Schlagzeug, Percussion, Keyboard und Trompete üppig besetzt. Die Musik ist abwechslungsreich und mitreißend, die Musiker sind vielseitig und sympathisch. Erst groovt der Reggae, dann treibt der Rock, dann pumpen elektronische Beats.

„Seit ich mir die Haare abgeschnitten habe“, sagt Bosse, „läuft das Wasser direkt von den Haarspitzen in die Ohren.“ Schließlich zieht er doch seinen Blouson aus. Den Gästen im Innenraum fließen Schweißperlen übers Gesicht. Die Sitzplatzkarten-Besitzer tanzen auf der Tribüne. Nach gut eineinhalb Stunden und einer Zugabe geht das Licht an. Das Publikum hätte die Band sonst noch einmal auf die Bühne geholt. Die Schwitzhütte ist beendet. Gereinigt und mit neuen Kräften verlassen glückliche Gäste das Zelt.

Sommer im Park heute, 20 Uhr: Badesalz. Sonntag, 19 Uhr: Konstantin Wecker.

Von Valerie Schmidt

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