Schon mit 16 ein Star: Kassels neue Pop-Hoffnung Lea

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Heute erscheint ihr Debütalbum „Vakuum“ bei Four Music: Die Kasselerin Lea alias Lea Marie Becker, die mittlerweile in Hannover lebt.

Schon als 16-Jährige hatte die Kasseler Sängerin Lea Millionen Klicks bei Youtube. Acht Jahre später betört sie auf ihrem Debütalbum mit Indie-Electro-Pop.

Hätte Lea Marie Becker vor acht Jahren auf all die Ratschläge gehört, hätte sie die beste Zeit vielleicht schon hinter sich. Die Kasselerin war 16, hatte Videos mit Pianopop ins Netz gestellt und bei Youtube schnell eine halbe Million Klicks. Sie solle sich bei einer Castingshow bewerben, schrieben Fans.

Lea Marie hat es Gott sei Dank nicht gemacht und sich Zeit gelassen. Nun erscheint beim Sony-Label Four Music ihr tolles Debütalbum „Vakuum“ mit melancholischem Indie-Electro-Pop. Wir stellen die 23-Jährige vor, die sich nun nur noch Lea nennt.

Der Internet-Star Lea Marie

Alles begann Ende 2007, das Internet war für die meisten noch Neuland, als die Gymnasiastin der Jacob-Grimm-Schule in der Pause des Computer-Unterrichts mit Freunden ein Video drehte und bei Youtube hochlud. Lea Marie sitzt am Klavier und singt die selbst geschriebene Ballade „Wo ist die Liebe hin“. Bis heute wurde der Clip fast drei Millionen Mal angeklickt.

Lange vor Milky Chance war Lea Marie ein Internet-Star aus Kassel. Doch die Tochter eines Musiktherapeuten überstürzte nichts. Sie machte ihr Abi, verbrachte ein halbes Jahr in Argentinien, wo sie unter anderem in einer Einrichtung für Kinder arbeitete. Dann studierte sie Sonderpädagogik und Musik in Hannover, wo sie bis heute lebt. Nebenher schrieb Lea Marie weiter Songs.

Die neue LEA

Betreut wird die Musikerin von Anfang an von der Gemündener Firma Jay Music und Manager Johannes Hofmann. Dort baute man sie langfristig auf und „arbeitet mit Herzblut an unserem Projekt“, wie es der umworbene Schützling sagt. Nun ist sie bei der Plattenfirma Four Music unter Vertrag, die schon Künstler wie Clueso und Casper groß gemacht hat.

Aus Lea Marie ist aber Lea geworden. „Ich wurde noch nie Marie genannt“, sagt Lea, die ihren Künstlernamen in Großbuchstaben schreibt: „Das schreit ein bisschen mehr.“

Das Album

Mit 16 eine halbe Million Klicks bei Youtube: So berichteten wir im Januar 2009 über Lea Marie Becker. Repro: nh

Wobei Schreien eigentlich gar nicht passt zur Musik von „Vakuum“. Mit den Berliner Produzenten Matthias Mania und Daniel Großmann hat Lea zwölf Songs geschrieben, die Singer/Songwriter-Melodien mit sanfter Elektronik verbinden. Die Plattenfirma nennt das „Neopop“. In Deutschland ist das tatsächlich neu. Man hört, dass Lea vor allem Künstler wie Jamie XX und Sia schätzt: „Ich mag schöne Klangwelten, bei denen die Stimme im Vordergrund steht.“

Ihre Texte handeln von Liebe, Freundschaft und Einsamkeit. Den Song „Vakuum“ hat sie nach der Trennung von ihrem Freund geschrieben. Lea fragt sich, warum sie nicht loslassen kann. Einmal heißt es: „Ich hab kein Problem, mit mir selbst zu reden / Hab nur ein Problem damit, mich zu verstehen.“ Selten klang eine Selbsttherapie, wie Lea das Songschreiben nennt, schöner.

Die Zukunft

An der Uni steht Lea kurz vor dem Abschluss. „Ich habe aber nicht vor, Lehrerin zu werden“, sagt sie. Im Moment steht die Musik im Vordergrund. Zuletzt trat sie als Backgroundsängerin für Mark Forster bei der Echo-Gala auf. Nun geht es mit Band auf Tour, die sie sogar ins Berliner Berghain führt.

Nur in ihrer alten Heimat kann man sie vorerst nicht live erleben. Dabei vermisst sie den Bergpark und die Karlsaue. Ostern hat sie sich mit ihrer Familie in Fritzlar getroffen, wo ein Großteil der Verwandten lebt. Sie sind stolz auf Lea, weil sie sich Zeit genommen und nicht nur vor acht Jahren alles richtig gemacht hat.

Lea: Vakuum (Four Music). Wertung: Vier von fünf Sternen

Aktuelle Single "Dach"

Mit Mark Forster beim Echo

"Wo ist die Liebe hin" aus dem Jahr 2007

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