Schräg, derbe und verrückt: Komische Kunst in der „Caricatura VI“

Er ist unter anderem für „Titanic“ tätig: Zeichnung von Ari Plikat.

Kassel. Das ganze Ausmaß der komischen Kunst, die die Schau „Caricatura VI“ präsentiert, lässt sich bei einem einzigen Besuch der gleichnamigen Galerie in Kassel sicher nicht ermessen.

Macht aber nichts, denn diese sechste sommerliche Bestandsaufnahme in documenta-Jahren seit 1987 läuft so lange wie die Weltkunstschau, nämlich bis zum 16. September. Und bietet somit reichlich Gelegenheit zum Immer-Wiederkommen.

Um die 600 Werke von 107 Künstlern wollen betrachtet werden. Diese kommen aus sieben Ländern: Neben Deutschland sind das Österreich, die Schweiz, Belgien, die Niederlande, England und Island. „Das sind unglaublich gute, lustige, derbe, schräge und verrückte Künstler“, sagt Caricatura-Leiter Martin Sonntag. Zu Zeichnern, die in Nachbarstaaten Stars, aber hierzulande unbekannt sind, gesellen sich deutschsprachige Großmeister des Komischen von F.W. Bernstein über Rattelschneck und Katz & Goldt bis zu Gerhard Haderer und Hans Traxler, Talente und Kasseler Lokalmatadore wie Gerhard Glück, Marc Seefried, Leonard Riegel, „evelin“, „Malacha“ und Siegfried Böttcher.

Allein 14 Touchscreens und Tablet-PCs laden zum „Durchwischen“ von fast 300 Cartoons ein. Dazu kommen weitere 300 Zeichnungen, Öl- und Acrylgemälde, aber auch Skulpturen und Installationen in der geschickt erweiterten Galerie. Ein Gerüst, das die Deutsche Bahn seit sechs Jahren vor der sanierungsbedürftigen Fassade stehen lässt, wurde verschalt und der so geschaffene Raum klug als zusätzliche Ausstellungsfläche genutzt. Ein „ehrgeiziges, ambitioniertes“, weil auch teures Unterfangen, wie Sonntag betont, das sich aber gelohnt hat.

Seit der letzten Bestandsaufnahme 2007 - damals vor allem im Südflügel des Kulturbahnhofs - hat die Caricatura ihre Fühler in die Nachbarländer ausgestreckt, Partner gewonnen, Netzwerke aufgebaut und mit der Gründung einer Sommerakademie viel für die Ausbildung komischen Nachwuchses getan. Beides merkt man dieser Übersichtsausstellung durchaus erfreut an.

Was sich auch geändert hat: Viel mehr Cartoonisten als noch vor fünf Jahren arbeiten am Computer. „Wir sind aber dem Original verpflichtet“, sagt Sonntag, der die Schau mit Saskia Wagner kuratiert hat. Also wurden Zeichnungen mit Passepartouts gerahmt, digitale Produkte werden (fast) durchgängig auf Monitoren präsentiert. Die Welt der digitalen Kommunikation - Internet, Facebook, Smartphones - ist auch thematisch dominierend. Zartbesaitet darf man beim Rundgang übrigens nicht sein. Mit expliziten Darstellungen geht es ziemlich zur Sache.

„Die Deutungshoheit für komische Kunst liegt bei uns“, sagt Caricatura-Chef Sonntag unmissverständlich. Auch bei den englischsprachigen Texten ist immer von „the komische Kunst“ die Rede. Dass allerdings die documenta im „Beiprogramm“ der Caricatura öffnet, das sagt Sonntag dann doch im Spaß: „Wir sind nicht neidisch, dass die documenta von unseren Besucherströmen profitiert.“ Er lächelt: „Da sind wir generös.“

Von Mark-Christian von Busse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.