Schräge Flucht vor dem Traualtar: Der Ehekracher "Höchste Zeit" in der Komödie

Bieten eine turbulente Show zum Thema Ehe: (von links) Astrid Schulz, Annette Mayer, Tabea Scholz und Sema Mutlu. Foto: Schachtschneider

Kassel. Ach ja, das Thema Ehe. Bei dem Stück „Höchste Zeit“ von Tilmann von Blomberg, Carsten Gerlitz und Katja Wolff, das am Donnerstag in der fast ausverkauften Komödie eine bejubelte Premiere hinlegte, dreht sich alles darum – nur aus verschiedenen Perspektiven. Vier Frauen, vier Positionen.

Die eine will endlich von ihrem Partner geheiratet werden, die andere kämpft mit der gleichen Leidenschaft um ihre Scheidung. Die Dritte im Damenquartett ist zwar verheiratet, damit aber nicht glücklich, und die Vierte einen Abend vor ihrer Trauung so in Panik, dass sie sich betrinkt und am nächsten Morgen nicht mehr weiß, mit wem sie ins Bett gestiegen ist.

In einem Hotel am Tag der Trauung knallen die vier Schicksale munter aufeinander. Der Clou: Die schrägen Damen dürfen in dieser Komödie nicht nur reichlich durchgeknallt sein, sondern auch berührend menschlich. Im Grunde ist damit über Handlung und Dramaturgie der Komödie aus der Feder von Tilmann von Blomberg und Carsten Gerlitz alles gesagt.

Fehlt nur noch die Info, dass der Bräutigam zunächst verschwunden ist. Der Rest ist Sprüche klopfen, Zoten schießen, mit Klischees über das Thema Ehe um sich schmeißen und Lieder schmettern, deren Melodien aus den Hitregalen der 70er-Jahre stammen. Lieder wie „Girls, Girls, Girls“ (Sailor), „Save Your Kisses For Me“ (Brotherhood Of Man) und „Yes Sir, I can Boogie“ (Baccara) – mit deutschen Texten aus der Kalauerkiste.

Ein witziger Einfall von Regisseur Karsten Engelhardt: Ein sprechender Spiegel wie aus „Schneewittchen“ sagt den Damen immer wieder, wer nicht die Schönste ist. Die Inszenierung kam gut an, ebenso der spezielle Charme der vier überdrehten Damen: Annette Mayer als geplagtes Muttertier, Sema Mutlu als liebenswertes Doofchen mit toller Blues-Röhre, Tabea Scholz als trinkfeste Braut mit starker Gesangsstimme. Ein Sonderlob schließlich gebührt Astrid Schulz. Sie sorgte nicht nur als Komödiantin mit treffsicheren Pointen für viele Lacher, sondern berührte auch als vom Leben verbitterte Zynikerin. Lautstarker Applaus.

Kartentelefon: 0561 / 18383, www.komoedie-kassel.de

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