Schräge Märchenstunde mit der HR-Bigband beim Kultursommer

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Höchste Professionalität: Musiker der HR-Bigband beim Kultursommer-Auftritt.

Kassel. Was Jazz und Märchen gemeinsam haben? In Märchen kommen grausige Details vor, beispielsweise abgehackte Zehen und Fersen in „Aschenputtel“. Und der Jazz, zumindest in seiner modernen Spielart, wagt sich in ungefällig dissonante Regionen. Beide - Märchen und Jazz - sind eben nicht nur lieblich und nett.

So gesehen, passte zusammen, was sich am Freitag im HR-Fernsehstudio abspielte. Die HR-Bigband, der amerikanische Gastdirigent Mike Holober und der Sprecher Helge Heynold luden im Rahmen der Festivals Kultursommer Nordhessen und Grimm 2013 zur schrägen Märchenstunde „Grimm’s Grimmical“.

Schiefe Kontrapunkte schmückten den Auftakt „Frohes Fest“ des Schlagzeugers Jean-Paul Höchstädter. Bei den „Bremer Stadtmusikanten“, komponiert von Mike Holober, setzte die Trompete zum herzhaften Hahnenruf an. Dadaistisch frei untermalte man die Geschichte vom „Okerlo“, die gar auf eine Menschenfresserinsel führte. Freundlichere Kost gab’s mit dem „Abendsegen“ aus Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“.

Gespielt wurde mit höchster Professionalität, und auch in den Soli zeigten die Musiker ihre Klasse, etwa der viel geforderte Trompeter Axel Schlosser. „Mir ist das zu jazzig“, meinte allerdings jemand in der Konzertpause: Musikgeschmack ist bekanntlich ein weites Feld.

Märchenonkel war der erfahrene Sprecher Helge Heynold, der nebenbei Wissenswertes über die ungeglättete Erstausgabe von Grimms Märchen berichtete und beim „Aschenputtel“ zum verbalen Swingen anhob: „Rucke di guh, rucke di guh! Blut ist im Schuh.“

Nach viel Beifall hätte es als Abschluss des langen Abends für 230 Zuhörer sicher eine Zugabe gegeben, wäre nicht ein Teil des Publikums schon vorher aufgestanden.

Von Georg Pepl

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