Patrik Ringborg dirigierte beim Kasseler Neujahrskonzert Musik von Weill und Schostakowitsch

Schräges Prosit im Opernhaus

Beschwingt: Patrik Ringborg dirigierte das Kasseler Staatsorchester im Opernhaus. Foto:  Zgoll

KASSEL. Dass der Radetzkymarsch fehlte, entlockte einigen Gästen ein bedauerndes „Och“. Ihre Neujahrswünsche brachten Generalmusikdirektor Patrik Ringborg und das Staatsorchester Kassel dennoch dar - in Worten und natürlich musikalisch. Es klappt auch ohne Johann Strauss: Das war die Botschaft des Neujahrskonzerts im Kasseler Opernhaus.

Musik von Kurt Weill und Dmitri Schostakowitsch verhieß prägnante Melodien wie schräge, parodistische Töne. Beginnend mit Weills „Kleiner Dreigroschenmusik“ für Blasorchester, Klavier, Perkussion, Bandoneon und Gitarre/Banjo. Den verballhornten Barockstil der Ouvertüre hätten Händel und Bach sich gewiss nicht erträumen lassen. Erst recht nicht die Modetänze der 20er-Jahre, den schummerigen Saxofon-Sound und den heftig abgefeuerten „Kanonensong“.

In großer Besetzung unterhielten dann fünf Sätze aus Schostakowitschs „Suite für Varieté-Orchester“, von GMD Ringborg und den Instrumentalisten mit Charme serviert. Unter anderem erfreuten Kapriolen des Xylofons und ein Hit: Den Walzer Nr. 2 dürfte jeder schon mal gehört haben, etwa in Stanley Kubricks Film „Eyes Wide Shut“.

Als schrägstes Stück gab’s nach der Pause Weills „Mahagonny Songspiel“. Zur Kammerorchester-Besetzung gesellten sich sechs Opernstimmen: die Herrenrunde Musa Nkuna, Paulo Paolillo, Hee Saup Yoon und Marc-Olivier Oetterli sowie das Damenduo LinLin Fan und Ulrike Schneider, das beim „Alabama Song“ mit Sprechgesang und lockenden Melodiebögen den Weg in die nächste Whisky-Bar suchte.

Mit Schostakowitsch begab man sich nochmals ins Varieté. Ein passender Effekt: Aus dem Graben wurden der GMD und die Musiker, die das große Orchester komplett machten, zuvor nach oben gefahren. Ein Beispiel für das sagenhafte Tempo des russischen Kombinationsgenies folgte im Zugabenblock: Sein köstliches Arrangement von „Tea for Two“ soll Schostakowitsch in 45 Minuten hingelegt haben. Beschwingter Beifall der rund 700 Zuhörer.

Wiederholung: Sonntag, 6. Januar, 18 Uhr, Opernhaus. Karten: 0561-1094 222.

Von Georg Pepl

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