Der Kabarettist Hans Scheibner fragte in der Kasseler Komödie: „Wer nimmt Oma“?

Schrecklich gemütlich

Böser Nikolaus: Hans Scheibner in der Komödie. Foto: Schoelzchen

Kassel. Es ist ein Ritual, genauso wie das Frohe Fest selbst: Alle Jahre wieder tourt Hans Scheibner mit seinem Weihnachtsprogramm durch die Lande. Auch in der Kasseler Komödie ist er nicht zum ersten Mal.

Hier herrsche immer „so eine schöne familiäre Atmosphäre“, stellt er zu Beginn fest. Im Hinblick auf den Familienwahnsinn, den er während der nächsten zwei Stunden immer wieder zum Thema machen wird, ist man ein wenig froh, dass er nicht auch noch „gemütlich“ sagt. Denn die „schreckliche deutsche Gemütlichkeit“ ist es ja gerade, die er satirisch aufs Korn nehmen will.

Die besinnungslose Völlerei; das Jammern über den Geschenke-Irrsinn, während man waggonweise einkauft; die Verlogenheit, mit der Kinder als Alibi vorgeschoben werden, obwohl die Erwachsenen den ganzen Rummel am meisten brauchen: Der Hamburger Satiriker weiß die gängigen Themen der Weihnachtskritik zielsicher abzuhandeln.

In einer Mischung aus alten und neuen Texten, aus Lesung, Bänkelsang, freier Moderation und gespielten Sketchen zelebrieren Scheibner, seine Frau Petra Milchert-Scheibner, Tochter Raffaela sowie Berry Sarluis am Akkordeon das Fest der Liebe und des Konsums. Das Publikum in der restlos ausverkauften Komödie ist begeistert. Auch die tagespolitischen Seitenhiebe in Richtung Guttenberg, Lafontaine & Co. werden dankbar angenommen.

So erwartbar das alles sein mag: Scheibner ist auf jeden Fall im 21. Jahrhundert angekommen: Die Oma im Computerladen bedient zwar alle Klischees zum Thema „Senioren und Technik“ - aber nur, um den Verkäufer in den Wahnsinn zu treiben und sich am Ende triumphierend das neueste Modell mit den „Dual-Core Intel Core i5 und i7 Prozessoren“ unentgeltlich unter den Nagel zu reißen.

Von Fabian Fröhlich

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