Lesung und Plaudereien des Journalisten Ulrich Wickert im Schauspielhaus

Aus der Schreibwerkstatt

Schreibt nach festgelegtem Plan: Der Journalist, Autor und ehemalige Moderator der „Tagesthemen“, Ulrich Wickert, liest im Schauspielhaus aus seinem Krimi „Das Schloss in der Normandie“. Foto: Hedler

Kassel. Bereits als Student sei es sein Traum gewesen, Kriminalromane zu schreiben, sagte Ulrich Wickert. Er habe lange gebraucht, diesen Wunsch zu verwirklichen. Einen Plot und Figuren zu entwickeln, sei nämlich eine verzwickte Angelegenheit. Am Dienstag präsentierte der Autor und Journalist, der fünfzehn Jahre lang die Tagesthemen moderierte, auf Einladung der Buchhandlung Vietor im Kasseler Schauspielhaus drei Passagen aus seinen sechsten Krimi „Das Schloss in der Normandie“. Wie in den vorausgegangenen Bänden ermittelt der sympathische Pariser Untersuchungsrichter Jacques Ricou. Diesmal geht es um den üblen Filz einer Korruptionsaffäre in Äquatorialguinea, dessen Fäden sich bis Paris spannen.

Vier bis fünf Stunden

Mit der bestens bekannten, etwas knarzigen Stimme plauderte der 73-Jährige zudem aus seiner Schreibwerkstatt. Morgens gegen zehn Uhr beginnt Ulrich Wickert mit seiner Arbeit, indem er zunächst korrigiert, die Verbesserungen überträgt, dann weiterschreibt, dies nach festem Plan. Nach vier bis fünf Stunden, sagte der in Hamburg lebende Autor, sei er „völlig erschöpft“. „Ich bin ja beim Schreiben nicht allein, sondern lebe mit den Figuren, es passiert viel, ich muss dem Jacques Ricou in vielen prekären Situationen helfen.“ Den Schluss seiner Kriminalgeschichten, erklärte Wickert, müsse er immer wissen, er könne nicht drauflosschreiben, das funktioniere bei ihm nicht.

„Mister Tagesthemen“, der als Moderator humorig, aber distanziert wirkte, zeigte sich an diesem Abend verblüffend offen. Schade, dass es im Schauspielhaus viele leere Plätze gab. Den Anwesenden wünschte Wickert natürlich „einen angenehmen Abend und eine geruhsame Nacht“.

Ulrich Wickert: Das Schloss in der Normandie. Hoffmann und Campe, 318 S., 22 Euro.

Von Gesa Esterer

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