Der Sänger Charles Bradley begeisterte das Publikum im Kulturzelt mit einem sehr persönlichen Auftritt

Der schreiende Adler des Soul

„Gebt niemals auf!“: Der Soulsänger Charles Bradley richtete bei seinem Konzert im Kulturzelt eine aufmunternde persönliche Botschaft an das Publikum. Foto: Fischer

Kassel. Wenn man die Augen schloss, konnte man glauben, James Brown wäre auferstanden. Doch Charles Bradley ist ein Original. Mit einem vibrierenden Auftritt am Samstagabend ließ der stimmgewaltige Amerikaner die von Liebe, Schmerz und Selbstbewusstsein trunkene Ära des Soul im Kulturzelt wiederauferstehen. Dennoch war es mehr als ein bloßer Revivalabend. Denn mit seinen eigenen, sehr persönlichen Liedern hatte Bradley eine klare Botschaft.

„Gebt niemals auf!“, rief er dem Publikum im gut gefüllten Zelt zu. „Lebt euren Traum!“ Er muss es wissen. Denn selbst hat Bradley einen großen Teil seines Lebens in Armut verbracht, schlug sich als Koch und James-Brown-Imitator in New York durch. Erst vor Kurzem, mit 62 Jahren, bekam er einen Plattenvertrag.

Wenn Bradley nun vor Publikum in glitzerndem Paillettenhemd seine Gefühle herausschrie und als selbst ernannter „schreiender Adler des Soul“ die Arme wie zwei Schwingen ausbreitete, empfand er selbst sichtlich großes Glück. Dann wieder ließ er das Mikro blitzartig fallen, fing es, kreiste keck (und so gar nicht altersgemäß) mit den Hüften und ließ ohrenbetäubende Soul-Schreie los. Das Publikum, vom Rhythmus elektrisiert, riss in solchen Momenten johlend die Arme hoch.

Die in aphrodisierendes Rot getauchte Begleitband bestand aus fähigen, routinierten Musikern, von denen Trompeter William Aukstik und Freddy DeBoe (Saxofon) am improvisationslustigsten waren.

Charles Bradley aber lebte seine eigene Show. Am Ende schüttelte er der ersten Reihe die Hände, betete auf Knien ein gesungenes Vaterunser. Der Abend wäre so für einen Moment ins etwas Kitschige abgedriftet, doch man nahm es Charles Bradley ab: Seine Gefühle sind stark, und sie kommen von ganzem Herzen.

Von Felix Werthschulte

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