Schriftsteller Alex Capus in Vellmar

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Alex Capus

Vellmar. Wenn er vom Wilden Westen erzählt, von der Route 66, die den Kontinent durchschneidet, räumt er kräftig auf mit Klischees: Hunderte von „Easy Ridern“ seien da in einem Pulk unterwegs, der Freiheit entgegen, von einem anderen Leben träumend.

Doch das Leben sei immer schon weg, wenn sie ankommen, meint Alex Capus ironisch und erzählt am Montagabend in Vellmar die wahre Geschichte von der mythenumwobenen Straße, die von Kameltreibern angelegt wurde - rekrutiert von der US-Regierung Mitte des 19. Jahrhunderts, um den kürzesten Weg durch die Wüste zu finden. Der Schriftsteller aus dem schweizerischen Olten ist ein Geschichtenerzähler ersten Ranges. Eingeladen vom Literaturverein „Ecke und Kreis“ zur Lesung aus seinem Büchlein „Skidoo“, plaudert er lieber über den Wilden Westen und das Leben eines Autors zwischen zwei Büchern. Sei das eine fertig, habe man all seine Zeit, „ja sein ganzes Dasein darein gegeben“, falle man in ein tiefes Loch. Ähnlich wie ein Baby Blues, eine postnatale Depression. Die plötzlich entstandene Leere füllte der Autor von „Leon und Louise“ mit Recherchen zu einem neuen Werk, das ihn in die Welt führt. Und so durchkreuzte Capus mit Familie im Wohnmobil den Wilden Westen, besuchte die Geisterstädte, kramte auf Flohmärkten, fand seine Geschichten. Sie aufzuschreiben, war eine Fingerübung, meint er.

Im Wilden Westen ist niemand reich geworden, doch der Traum davon trieb die Menschen vorwärts, machte sie zu Glückssuchern und Zockern. Capus erzählt von der Geisterstadt Panamint City, gegründet von Bankräubern auf der Flucht. Oder von Bodie, wo man die Gräber mit Dynamit aushob und den Toten Chicken Wings mit auf die Reise gab.

Alex Capus: Skidoo. Meine Reise durch die Geisterstädte des Wilden Westens, Hanser, 80 Seiten, 12 Euro.

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