Gefühlsreise als Thema

Dokfest-Schülerkritiken: "Kein richtiger Film"

+
Schülerkritiken: "Kein richtiger Film"

"Kein richtiger Film" heißt die Dokumentation von Regisseur Stephan Flint Müller (Deutschland, 2013), die die Schüler Johanna Sebastiao, Kenneth-Christopher Kran, Nathalie Hupfeld, Janina Hinder und Agnesa Dauti beim Dokfest in Kassel gesehen und für uns besprochen haben.

Johanna Sebastiao (Gustav-Stresemann-Gymnasium, Bad Wildungen)

"Gefühlslos, und doch so viele Gefühle. Stephan hat ein großes Problem, er kann nichts fühlen. In seinem Kopf ist nur ein leerer Raum. Mit Hilfe des „Kondenzmannes“, der in seinem Kopf herumspukt, begibt er sich auf eine Reise, die ihm nicht nur seine Gefühle wieder bringt, sondern auch viele schöne Erinnerungen an seine Freunde.

Die 15 Minuten des Dokumentarfilms „Kein richtiger Film“ wurden durch plötzliche Szenenwechsel zwischen den Gesprächen von Stephan – dem Protagonisten und Dokumentarfilmer – und dem Kondenzmann spannend gestaltet. Stephan hat seine „Geschichte“ in 4 Akte eingeteilt, die ihn immer ein Stückchen weiter bringen und aus seiner Depression herausführen.

Besonders angesprochen wird ein jüngeres Publikum, das sich an vielen humorvollen und phantasievoll animierten Szenen erfreuen kann. Unterstützt wird das Ganze durch die jeweils passende Hintergrundmusik. Der Film ist ungewöhnlich und einzigartig, und am Ende kann auch der Zuschauer etwas lernen, nämlich, dass Freunde das Leben lebenswert machen."

Deutsch-Leistungskurs, Jahrgang 11, zuständige Lehrerin: Renate Eberwein-Branca

Kenneth-Christopher Krahn (Goethe-Gymnasium, Kassel)

"Als eine Kombination aus Kurz-, Dokumentar- und Spielfilm schuf Regisseur und Protagonist Stephan Flint Müller sein Werk „Kein richtiger Film“, welches Liebe, Einsamkeit und Freundschaft thematisiert. Nach der Erstaufführung im März 2013 zur Kurzfilmwoche in Regensburg ist der 15-minütige Film auch auf dem Dokfest 2013 zu sehen. Bereits der Titel „Kein richtiger Film“ lässt dem Zuschauer viel Raum für Interpretation, wie es der Film ebenfalls schafft.

Stephan Müller begibt sich auf eine abstrakte, vierteilige Gefühlsreise, in der er, zusammen mit dem Kondenzmann, seine Gefühle erforschen und sich ihnen stellen muss. Am Ende der Reise rettet sich der Protagonist aus seiner Einsamkeit und begibt sich in die wärmende Obhut seiner Freunde. Den „Code der Liebe“ zu entschlüsseln ist eine Herausforderung für den Protagonisten, deshalb kann man sagen, dass sich der Begriff „Liebe“ wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung des Films zieht.

Die ersten Szenen des Films scheinen sehr verwirrend, da der Regisseur häufig zwischen verschiedenen Handlungen wechselt. Damit möchte Stephan Müller auf die Unruhe und Einsamkeit hinweisen, die in ihm herrscht. Die letzte Szene, in der der Protagonist seinen Freunden seine Gefühle erklärt, ist auch die ruhigste im Film. Wegen des Bezugs auf die Freundschaft und wegen der ruhigen Art der Szene, spiegelt sie Müllers Flucht aus der Einsamkeit wider. Da der Film viele offene Themen wie Gefühle, Freundschaft und Liebe behandelt, kann jeder die Filmsequenzen anders deuten und auch anders interpretieren. Das macht diesen Film so besonders.

Trotz des verwirrenden und teilweise unverständlichen Aufbaus des Dokumentarfilms, der aber auch wie ein klassisches Drama in fünf Akte gegliedert ist, ist die Handlung dennoch gefühlsbetont und interessant, denn jeder kann seine eigenen Erlebnisse, vor allem Probleme in der Liebe oder der Freundschaft, auf die Geschehnisse übertragen. Dadurch wird der Film praktisch zu einem interaktivem Erlebnis, welches mit einem Wechselbad an Gefühlen versehen ist. „Kein richtiger Film“ ist der richtige Film für alle, die richtige Gefühle lieben. "

Medienkunde-Kurs Q1, Jahrgang 13,  zuständige Lehrerin: Carola Schäfer

Nathalie Hupfeld (Geschwister-Scholl-Schule, Melsungen)

"Obwohl der Titel widerspricht, ist der Dokumentarfilm „Kein richtiger Film“ von Stephan F. Müller, welcher 2013 erschienen ist, nichts Anderes als das: ein berührender Film über Freundschaft, die Suche nach sich selbst und nach dem Sinn des Lebens.

Wer bin ich? Was macht mich aus? Und was ist eigentlich Glück? Diese Fragen verpackt Stephan Müller, der gleichzeitig Regisseur und Hauptdarsteller ist, in 15 Minuten. Der Film erzählt kunstvoll über das Leben Stephans, der ohne Scham seine Empfindungen, Selbstzweifel und wichtigen Augenblicke mit dem Zuschauer teilt.

Dazu ist der Film sehr kreativ gestaltet und mit künstlerischen Details gespickt: Aufgrund der selbst gestalteten Requisiten und der liebevoll inszenierten Effekte ist es beinahe mit Händen greifbar, wie viel Mühe und Arbeit hinter dem Projekt steckt.

Insgesamt offenbart der Film viel vom Leben des Regisseurs: persönliche Tragödien sowie glückliche Momente. Diese offene Darstellung fesselt den Zuschauer und entführt ihn in die Welt eines Fremden.

Doch ob Stephan Antwort auf seine Fragen gefunden hat? Sehen Sie selbst! Denn dies ist nicht nur ein Film, sondern ein kleines Kunstwerk, das zu Tränen rührt."

Deutsch-Leistungskurs, Jahrgang 11, zuständige Lehrerin: Luzia Haines  

Janina Hinder (Geschwister-Scholl-Schule, Melsungen)

"Der Kurzfilm „Kein richtiger Film“ von Stephan F. Müller aus dem Jahr 2013 beschäftigt sich mit den Themen Freundschaft, Liebe und Einsamkeit.

Es geht um einen jungen Mann, der sich alleine fühlt und in sich eine kalte, triste Leere spürt. Ein anderer Mann, der seinen Kopf unter einem Karton mit aufgemaltem Gesicht verbirgt, möchte etwas dagegen tun.

Der Film ist in mehrere Akte unterteilt, die sich mit den unterschiedlichen Schritten beschäftigen, die der junge Mann zur Lösung des Problems unternimmt. Der Regisseur hat, was die gestalterischen Möglichkeiten betrifft, aus den Vollen geschöpft. Die Hintergrundmusik verstärkt zusätzlich, dass die Gefühle des Zuschauers angesprochen werden und dieser sich in die Situation des Protagonisten hineinversetzen kann. Ob man „Kein richtiger Film“ wirklich nicht als Film bezeichnen kann, sollte jeder Zuschauer selbst für sich entscheiden.

In jedem Fall ist er für alle sehenswert, die es mögen, zum Nachdenken angeregt zu werden und dargestellte Situationen auf sich selbst übertragen zu können. Und auch all diejenigen, die gerne in eine Geschichte eintauchen und darin versinken, werden diesen Festivalbeitrag lieben."

Deutsch-Leistungskurs, Jahrgang 11, zuständige Lehrerin: Luzia Haines  

Agnesa Dauti (Geschwister-Scholl-Schule, Melsungen)

"In dem Film "Kein richtiger Film" (2013) von Stephan F. Müller geht es um einen anfangs gefühllosen Jungen, welcher nach und nach verschiedene Emotionen entdeckt. Das Werk ist eine Mischung aus Animations-und Dokumentarfilm mit dem Hauptthema Identitätsfindung, doch auch das Thema "Freundschaft" spielt in dem Film eine große Rolle.

Der Handlungsaufbau ist ziemlich verwirrend, da der Hauptdarsteller, welcher auch gleichzeitig der Regisseur,ist zwischendurch Unterhaltungen mit dem "Kondensmann" führt. Daneben werden aber auch Rückblenden sowie Videos gezeigt, in denen der Hauptdarsteller direkt zu seinen Freunden spricht. Der dokumentarische Teil des Filmes wirkt sehr überzeugend, da der Protagonist echte Gefühle zu zeigen scheint.

Der animierte Teil des Filmes jedoch bewirkt genau das Gegenteil, denn der Kondensmann kann, vor allem durch sein Äußeres, nicht ernst genommen werden. Im Großen und Ganzen ist der Film teils langatmig, teils aber auch sehr emotional und spannend. Für Menschen, die Gefallen an speziellen und etwas anderen Filmen haben, ist dieser Film besonders gut geeignet. Außerdem spricht er aufgrund der Thematik wohl vor allem Jugendliche und junge Erwachsene an."

Deutsch-Leistungskurs, Jahrgang 11, zuständige Lehrerin: Luzia Haines  

Alle Filmkritiken zu Dokfest-Beiträgen entstanden im Rahmen eines Workshops "Kreatives Schreiben" für Oberstufenschüler aus Kassel, Bad Wildungen und Melsungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.