Schwach: "Katz und Maus" am Jungen Theater Göttingen

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Hatten es nicht leicht: Die Schauspieler (von links) Linda Elsner, Eva Schröer, Jan Reinartz und Karsten Zinser.

Göttingen. Aus einer schwachen Bühnenfassung von Günther Grass' "Katz und Maus" macht das Junge Theater Göttingen ein eindimensionales Stück, das nicht überzeugen kann.

Vorn auf der Bühne steht Pilenz, erzählt aus der Rückschau des Jahres 1959 von seiner Schulzeit während des Zweiten Weltkriegs in Danzig, besonders von dem Klassenkameraden Joachim Mahlke, der von allen drangsaliert wurde. In der Bühnenmitte inszenieren vier Schauspieler in verschiedenen Rollen die Szenen.

Am Freitag hatte „Katz und Maus“ von Günter Grass in der Bühnenbearbeitung von Mario Portmann im ausverkauften Jungen Theater in Göttingen Premiere. Im Publikum waren vor allem junge Menschen, um sich die deprimierende Geschichte von Mahlke und seinen fiesen Mitschülern in der Inszenierung von Nico Dietrich anzuschauen.

Joachim Mahlke, von Linda Elsner dargestellt, ist Einzelkind, Halbwaise, Ziel üblen Spotts, da sein Adamsapfel übergroß ist. Die Gymnasiasten setzen eine Katze an Mahlkes Hals, lassen den Adamsapfel zur Maus der Katze werden. Der Gedemütigte kommt mit Kratzern davon. Obwohl körperlich ungeschickt, versucht Mahlke Anerkennung im Sport zu bekommen, taucht obsessiv, entdeckt ein versunkenes Boot, wo er einen verborgenen Raum oberhalb des Wassers findet.

Als Soldaten in der Schule den Krieg verherrlichen, klaut Mahlke ein Ritterkreuz und wird der Schule verwiesen. Seine Mitschüler sind froh, ihn los zu sein. Später wird Mahlke als Panzergrenadier eingezogen, kehrt noch einmal zurück in die Heimat, will desertieren, bettelt bei Pilenz um eine Bleibe. Dieser meint, er könne sich in dem versunkenen Boot verstecken. Mahlke springt ins Wasser, bleibt unten. „Mahlke war nicht zu helfen“, sagt Pilenz, als wolle er sich in billigster Art und Weise von einer Verantwortung freisprechen. Nichts sei ihm gut genug gewesen.

Die Bühnenbearbeitung, die 2006 in Konstanz uraufgeführt wurde, klammert sich krampfhaft an das Original, blättert Kapitel für Kapitel auf, ist jedoch eindimensional, arbeitet mit erzählter Sprache. Dialoge fehlen weitgehend. Es gibt kaum ein Zusammenspiel. Jan Reinartz glänzte als Erzähler, Linda Elsner mühte sich, der Figur des Mahlke Persönlichkeit zu geben.

Den Monolog der Tante auf Niederpreußisch meisterte Eva Schröer wunderbar. Aber das Stück bietet Schauspielern leider kaum Raum, eine Rolle zu spielen, blockt Entfaltung. Deshalb wirkten die Darsteller schablonenhaft und die einzelnen Szenen plakativ. Auch Kostümen und Bühnenbild fehlte Glanz. Den Zuschauern jedoch gefiel die Umsetzung der wahrscheinlich autobiografischen Novelle von Günter Grass. Viel Applaus, sechs Vorhänge.

Junges Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Nächste Vorstellungen am 22., 26. und 30. September. Karten: 0551/ 495015.

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