Das Bolschoi Staatsballett Belarus begeisterte im Opernhaus mit „Schwanensee“

Zum Schwärmen schön

Schwelgerisch: Das Ensemble des Bolschoi Staatsballett Belarus in opulenten, blau-weiß-goldenen Kostümen beim Auftritt im Opernhaus. Foto: Fischer

Kassel. Zehn Minuten Schluss-Applaus sagen eigentlich schon alles: Die „Schwanensee“-Inszenierung, die das Bolschoi Staatsballett Belarus am Sonntag im ausverkauften Opernhaus zelebrierte, war ein Geschenk.

Die Mutter aller Ballettwerke zur Musik von Tschaikowsky und um die Geschichte des Prinzen Siegfried, der sich in die von einem bösen Zauberer in einen Schwan verwandelte Odette verliebt und sie trotz einer Täuschung erlöst, hat seit ihrer Uraufführung 1877 in Moskau nichts von ihrer Faszination verloren.

Wenn man das Werk so hinreißend auf die Bühne bringt, wie das 2014 von der Unesco ausgezeichnete Staatsballett Belarus, wird das so bleiben. Man kann nur schwärmen. Schon über das Bühnenbild: Riesige Bäume schießen links und rechts viele Meter in die Höhe, vereinen sich zu einem Bogen. Im Hintergrund ein malerischer See im Abendlicht. Warm und stimmungsvoll bettet das Bühnenbild das Bühnengeschehen ein. Dass es sich dabei nur um Vorhänge und Projektionen handelt, bemerkte man kaum. Wunderbar anzusehen waren auch die vielen, facettenreichen Kostüme – ein jedes davon ein Schmuckstück, liebevoll gestaltet bis ins Detail.

Etwas schade war, dass die Musik nur aus den Boxen kam. Der großen, tänzerischen Qualität aber tat das keinen Abbruch. Eleganz, Anmut, Können, Mimik – die tanzenden Akteure beeindruckten nicht nur bei den legendären Schwanentänzen des 2. Aktes, sondern durchweg.

Alle Tänzer leisteten Großartiges, dennoch ragten die Hauptdarsteller natürlich heraus: Takatoschi Matschijama als grinsender, sprungewaltiger Hofnarr, Egor Azarkewitsch als diabolischer Zauberer Rotbart, Igor Onoschko als ausdrucksvoller Prinz und Jana Schtangei in der Doppelrolle als weißer Schwan und böse Verführerin. Besonders sie muss man herausheben für ihre Anmut, Perfektion und Grazie. Und dann stimmte auch noch die Mimik.

Beladen und traurig zeigte sie sich als verfluchter Schwan, teuflisch lächelnd und triumphierend, als sie Siegfried verführt. Fazit: ein Erlebnis.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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