Die Bonner Formation Cocoon Dance gastierte mit ihrem Tanzstück „Re-Play. The Swan“ im Schauspielhaus

Der Schwan stirbt immer wieder

Würdigung für einen Ballettklassiker: Katrin Banse, Fa-Hsuan Chen, Laure Dupont, Weronika Pelczynska und Inma Rubio zeigen Variationen des „sterbenden Schwans“. Foto:  Zgoll

KASSEL. 4000-mal soll Anna Pavlova zur Musik von Camille Saint-Saëns den „sterbenden Schwan“ getanzt haben. Wiederholungen, scheinbar endlos, und doch hat sich die große Künstlerin immer wieder neu erschaffen. Das Gleiche und doch anders.

Im Schauspielhaus greifen am Samstag fünf Tänzerinnen in der Choreografie von Rafaele Giovanola „Re-Play. The Swan“ diese Thematik auf - und wie von fern überzieht das Rauschen einer alten Tonspur das Tanz-Stück, gibt das Leitmotiv vor. Unendliche Wiederholung bis zum Tod.

Fünf Frauen, zu Beginn in leuchtenden Kimonos gekleidet, plaudern in unermüdlichen Sprech-Wiederholungen auf dem Sofa. Und während das Geräusch des Rauschens allmählich in einer modernen Sound-Collage (Jörg Ritzenhoff und Ensemble) mündet, löst sich die Gruppe auf.

Tänzerinnen durchmessen den Raum, überziehen die Bühne mit ihren Bewegungsmustern, individuell, ausdrucksstark jede von ihnen. Sie wiederholen die Posen, formen in Zeitlupenbildern eine Körperskulptur. Die Gruppe und die Einzelne, fünf tanzen ihre beeindruckenden Soli, kehren zurück auf das Sofa, ziehen sich die Kimonos wieder über, plaudern, rauchen. Das Spiel beginnt von vorn. So wie das Leben immer neu beginnt und sich doch endlos wiederholt. Ein berührendes Tanzerlebnis.

Die Erinnerung an den sterbenden Schwan der berühmten Anna Pavlova wird darin virtuos eingebunden: Bewegungen wie ein Rucken des Kopfes, eine schwebende Armbewegung, eine weiche Wellenform und das langsame Ermatten auf dem Boden, das Zucken des Körpers. Aus.

Das berühmte Cello-Schwanenmotiv leitet die fünf Tänzerinnen der Gruppe Cocoon Dance Bonn durch das Stück, fügt das Heute und das Damals zusammen, betörend schöne Bilder sind das.

Katrin Banse, Fa-Hsuan Chen, Laure Dupont, Weronika Pelczynska und Inma Rubio übertragen die Endlosschleifen der alten Langspielplatte in den Tanz, bis die Musik verstummt, während eine Tänzerin, auf dem Boden liegend, noch einmal die Hand hebt und ermattet sinken lässt. Stürmischer Applaus im nicht ausverkauften Schauspielhaus.

Von Juliane Sattler

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