Schweizer Architekt Peter Zumthor feiert 70. Geburtstag

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Kunsthaus Bregenz.

Es mag Architekten geben, die sehr viel mehr gebaut haben, monumentaler, üppiger, ob Frank Gehry oder Renzo Piano. Doch bei kaum einem Architekten sind die Gebäude so sinnlich erfahrbar, ist der Raum so eindrucksvoll erlebbar wie bei Peter Zumthor, der am 26. April 2013 seinen 70. Geburtstag feiert.

Dies ist bei dem eigenwilligen Schweizer das Spektakuläre: sein souveräner, aber ganz selbstverständlich erscheinender Umgang mit hochwertigen, edlen Materialien, jeweils im Einklang mit dem speziellen Ort, seiner Umgebung und Geschichte.

Nirgendwo ist das fantastischer zu erleben als im 1996 errichteten Thermalbad in Vals im Schweizer Kanton Graubünden. Von außen ist der Bau so vertrackt unscheinbar, dass er sich kaum fotografieren lässt: Zumthor hat den Baukörper über 58 Meter Breite bis zu 34 Meter tief in den Hang unter einem 70er-Jahre-Hotelkomplex getrieben. Innen eröffnet sich ein Labyrinth aus Bädern, Grotten, Ruheräumen.

Aus Valser Quarzit hat Zumthor ein „Steingewebe“ entworfen, ein „Fugenbild“, indem er Steine zu homogen wirkenden Wänden hat aufschichten lassen. „Lage um Lage. Ohne Ausnahme“, so Zumthor. Würde man die 1300 Tonnen gefräste Quarzitplattenstreifen nebeneinander legen, ergäben sich 62 Kilometer Länge. Zwischen den Steinblöcken bietet sich durch große Lichträume der Blick auf den gegenüberliegenden Hang. Stundenlang möchte man hier liegen und ins Grün oder aufs Schneeweiß der Berge schauen.

Zumthor, Sohn eines Schreiners, von seinem Vater ausgebildet, ehe er in Basel Innenarchitektur und Design und in New York Architektur studierte, war zehn Jahre Mitarbeiter der Denkmalpflege seines Heimatkantons. Hier hat er die Ehrfurcht für das alpine Bauen, für einen handwerklich-nüchternen, minimalistischen Stil jenseits aller Moden verinnerlicht. Sein Büro behielt er in Haldenstein bei Chur.

Der verheiratete Vater dreier Kinder und Jazzfan hat mit dem Praemium Imperiale und dem Pritzker-Preis die Nobelpreise der Künste und der Architekten erhalten. Doch seine Karriere verzeichnet auch schmerzliche Niederlagen. Nach jahrelangen Streitigkeiten stoppte Berlin seinen Bau des NS-Dokumentationszentrums „Topographie des Terrors“, bereits errichtete Türme wurden wieder abgerissen.

Für die Stadt Isny im Allgäu entwarf er ein neues Stadttor mit Café und Bühne aus 250 000 Glassteinen. Mit großer Mehrheit lehnten die Einwohner das Projekt 2012 in einem Bürgerentscheid ab. Nach einem Besuch in der Zumthor-Therme hätten die Menschen vielleicht anders abgestimmt.

Ein idealer Ort, um zur Ruhe zu kommen: Peter Zumthors Thermalbad in Vals (Schweiz).

Der Schweizer Expo-Pavillon in Hannover 2000, aus Kanthölzern aufgeschichtet, ohne Schrauben, machte Peter Zumthor in Deutschland bekannt. Als Meilenstein gilt sein Kunsthaus Bregenz, ein fensterloser Kubus mit einer Fassade aus geätzten Glasschindeln. Dort ist eine sehenswerte Dauerausstellung mit seinen Modellen zu sehen. Viel Lob bekam Zumthor, der zahlreiche Lehraufträge innehatte, für den Neubau des Kolumba-Museums der Erzdiözese Köln auf dem Areal der 1945 zerstörten Kirche St. Kolumba, wo er die Ruine mit einer gewaltigen Halle überbaute. Für den Bau der Bruder-Klaus-Kapelle in Wachendorf/Eifel - ein Betonbau, der im Inneren an eine archaische Höhle erinnert - verzichtete er auf Honorar. Weitere Gebäude wie Wohnhäuser und Schulbauten errichtete er in Graubünden, darunter Schutzbauten für römische Funde in Chur und eine Kapelle in Sumvitg. (vbs)

Von Mark-Christian von Busse

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