Problemfilme dominieren das Festival in Cannes, Popcornkino gibt es nur in „Robin Hood“

Schwere Kost statt Glamour

Gibt den Startschuss mit Pfeil und Bogen: Russell Crowe eröffnet als „Robin Hood“ in Ridley Scotts Historienepos das Festival in Cannes. Ab Donnerstag ist sein Film dann in den deutschen Kinso zu sehen. Foto: Universal

Cannes. Es wird gehämmert und gesägt, Bagger räumen die letzten Überbleibsel des Sturms der vergangenen Woche vom Strand, planieren den Sand für Bars und lauschige Lounges. Cannes rüstet sich für die Filmstars. Vom morgigen Mittwoch an werden sie auf den roten Teppichen posieren, bis am 23. Mai die Goldene Palme vergeben wird.

Den Anfang machen Schauspieler Russell Crowe und Cate Blanchett, die mit Ridley Scotts Version des englischen Heldenepos „Robin Hood“ das 63. Festival an der Côte d’Azur eröffnen werden. Das mitunter martialische Gemetzel über zwei Stunden erinnert fatal an Scotts Historienepos „Gladiator“ ebenfalls mit Crowe in der Titelrolle. Ab Donnerstag ist „Robin Hood“ dann im Kino zu sehen.

Den Wettbewerb dominiert jedoch schwere Kost: In „Biutiful“ des Mexikaners Alejandro González Inárritu, der 2006 in Cannes für „Babel“ ausgezeichnet wurde, geht es um den Kampf eines Mannes, der seine Kinder vor Armut und Leid bewahren will. Der Franzose Rachid Bouchareb sorgte mit „Hors La Loi“ für Diskussionen. Ihm wird vorgeworfen „anti-französisch“ zu sein, handelt sein Film doch von dem Massaker im algerischen Sétif, bei dem 1945 hunderte Demonstranten von der französischen Armee getötet wurden. Und in „Another Year“ bleibt der Brite Mike Leigh seinem Ruf als Spezialist für soziale Themen treu.

Die Deutschen haben nach dem Erfolg von „Das weiße Band“ im vergangenen Jahr keine Aussicht auf einen Hauptpreis. Kein deutscher Filmemacher ist nominiert. Und die prominenteren Namen sind eher außer Konkurrenz vertreten: Woody Allen stellt seinen neuen Film „You Will Meet A Tall Dark Stranger“ außer Konkurrenz vor. Oliver Stone zeigt 23 Jahre nach seinem Hit „Wall Street“ und nach dem Börsencrash die Fortsetzung: „Wall Street - Money Never Sleeps“.

Doch auch wenn für das 63. Festival erstmals seit mehreren Jahren weniger Spielfilme eingereicht wurden, wie der künstlerische Leiter Thierry Frémaux mitteilte, wird es an Glamour nicht fehlen. Allein die Jury wird mit dem Paradiesvogel Tim Burton als Vorsitzendem und unter anderem den Schauspielern Kate Beckinsale und Benicio Del Toro für Starrummel sorgen.

Isabelle Huppert, Dauergast und Jurypräsidentin im vergangenen Jahr, wird ebenso an die Côte kommen wie Diane Kruger und Javier Bardem („Biutiful“), der hoffentlich seine schöne Penélope Cruz über den roten Teppich führen wird. Und auch Mick Jagger wird erwartet: Der Musiker wirbt für den Dokumentarfilm „Stones in Exile“ in einer Nebenreihe, in dem er mit seinen Bandkollegen zu sehen ist. Für Partystimmung wird also gesorgt sein. (dpa)

Von Britta Schmeis

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