Schwerelose Musik

Rockbassist Helmut Hattler und Band begeisterten im Schlachthof

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Verkörpert musikalischen Individualismus: Bassist Hellmut Hattler auf der Bühne des Kulturzentrums Schlachthof.

Kassel. Im ausverkauften Schlachthof hat Helmut Hattler sein Album "Warhol Holidays" vorgestellt. Ein Ausnahmekonzert.

Er hat tief in sich hineingehorcht, die innere Stimme genauer erforscht und das, was sie ihm erzählte, im neuen Album „Warhol Holidays" verarbeitet. So weit die Ausgangslage, wie sie das Programmheft vor dem Konzert von Bass-Mann Helmut Hattler am Mittwoch im ausverkauften Schlachthof beschreibt.

Was dabei musiktechnisch herauskommt? Mächtig viel. Dem Auftritt des 63-jährigen Individualisten, der einst mit Formationen wie Kraan und Guru Guru für Furore sorgte, und seiner Band darf man das Prädikat Ausnahmekonzert bescheinigen. Eine Delikatesse, sowohl spieltechnisch, als auch von der Performance her betrachtet.

Das ganze Konzert war musikalisch schwerelos, geradezu sphärisch - und das Publikum war begeistert. Zur Musik gab es, wie es für Hattlers Konzerte schon fast selbstverständlich ist, fantasievolle, abstrakt inszenierte Videobilder: Landschaften, Farben, dunkle Weltallpanoramen, das Gesicht von Sängerin Folo Dada, umgeben von zirkulierenden blauen Wellen.

Das Konzert, bei dem auch ältere Kompositionen zu hören waren, lebte von seiner facettenreichen Dramaturgie. Mal groovte es heftig, mal waren kontemplative, gefühlvolle Stimmungen angesagt, in die Fola Dada ihre samtig schöne Stimme goss.

Dann wieder dominierten psychedelische Klangmuster, durchzogen von sich wiederholenden Melodiekürzeln und durch ihre rhythmisch anschwellende Intensität erzeugten sie beim Zuhörer fast schon leichte Trancezustände.

Assoziationen an ein Raumschiff, das durch die Weiten des Alls schwebt, boten sich an. Doch damit nicht genug. Etliche Sahnehäubchen kamen noch hinzu. Zum Beispiel das lange, sanfte, zwischen Jazz, Klassik und Pop pendelnde Solo von Gitarrist Torsten de Winkel, zu dem sich abschließend auch Hattler und Schlagzeuger Oli Rubow gesellten. Gemeinsam entwickelten sie eine mitreißende, session-ähnliche Atmosphäre.

Ein weiterer Leckerbissen: ein Duett aus Stimme und Bass: Hattler und Fola Dada - einander zugewandt wie bei einer Romanze. Riesenapplaus, zahlreiche Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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