Die Sängerin Teresa Berganza wird heute 75 Jahre alt

Schweres mit Leichtigkeit

Teresa Berganza

Eine Sängerin für Sänger - als solche muss gelten, wer keine technischen Hindernisse für die Stimme kennt, wer seine einzigartigen natürlichen Mittel mit untrüglichem Stilgefühl einsetzt, wer seinem Gesang ein unverwechselbares „Gesicht“ zu geben im Stande ist, mit einem Wort: wer das Schwierigste mit Leichtigkeit behandelt. Die Mezzosopranistin Teresa Berganza, die heute vor 75 Jahren in Madrid zur Welt kam, ist so eine Sängerin für Sänger, für Kenner.

Bekannt gemacht hat sich diese Muster-Spanierin zuerst als Barock (Händel-) und Mozart-Sängerin (Cherubino, Dorabella, Zerlina, Sesto in „Clemenza di Tito“). Dann aber als Primadonna des verzierten Gesangs, sprich: als Rossinis Rosina („Barbiere di Siviglia“), Angelina („La cenerentola“), beide in maßstäblichen Plattenaufnahmen unter Claudio Abbado, und als Isabella („L’Italiana in Algeri“). Berganza gehörte zu den ersten, die in der Rossini-Renaissance der letzten Jahrzehnte solchen Bravourpartien ihre originale Stimmlage, italienisch: mezzocontr’alto, und ihr originales Ziernoten-Vokabular wiedergegeben haben. Darauf konnten eine Cecilia Bartoli und Jennifer Larmore aufbauen. Daneben hat diese eminente Stilistin, oft am Klavier begleitet von ihrem früheren Ehemann Felix Lavilla, stets den Liedgesang gepflegt, den deutschen und mehr noch den spanischen eines de Falla, Granados, Turina und Rodrigo.

Und sie hat sich, für ihre Fans erstaunlich und auf Schallplatten dokumentiert wiederum unter Abbado, 1977 in Edinburgh an Bizets Carmen gewagt - und gewonnen mit samtiger, doch nicht reizloser vokaler Eleganz, mit weiblicher Raffinesse beim Verzicht auf das Klischee praller Erotik.

Von Siegfried Weyh

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