Starke Frauen: Eine attraktive Schau in Speyer ist den Amazonen auf der Spur

Schwert und Schminke

Bewaffnete Kämpferinnen: Griechische Vase (um 470 v. Chr.)

Speyer. Homer, vertreten durch eine Marmorbüste, berichtet im Historischen Museum der Pfalz in Speyer von den Amazonen. Er hat im 8. Jahrhundert vor Christus die ältesten erhaltenen Zeugnisse über das schon aus seiner Sicht in grauer Vorzeit lebende geheimnisvolle Frauenvolk hinterlassen.

Von den antiken Autoren erfahren wir, dass die Amazonen in der Reitkunst und im Umgang mit Waffen geübt waren. Nur einmal im Jahr gaben sie sich zum Zwecke der Fortpflanzung mit Männern ab. Die Töchter behielten sie, die Jungen wurden getötet oder den Männern übergeben.

Was ist dran am griechischen Mythos? Die attraktiv bestückte Schau in Speyer verfolgt die Spuren des kriegerischen Frauenvolks von der Antike bis in unsere Tage. Sie vermittelt anhand packender Vasenmalereien, Reliefs, Statuetten und Skulpturen die Sicht der Griechen, die ihren gesellschaftlichen und kulturellen Gegensatz zu den Amazonen betonten. Die Frauenherrschaft widersprach der „natürlichen Ordnung“ der patriarchalischen Gesellschaft.

Hervorgegangen sei der Mythos aus der Begegnung zwischen Skythen und Griechen im Zuge der Kolonisierung des nördlichen Schwarzmeergebiets, sagt der Leiter des Ausstellungsprojekts, Lars Börner. Er sei als Erklärungsmodell für die gesellschaftliche Struktur der Nomaden in der eurasischen Steppe herangezogen worden, in der weibliche Krieger laut dem archäologischen Befund, als auch den Schriftquellen fester Bestandteil waren. Dafür bietet die Schau eindrucksvolle Belege. Aus dem Grab der „Amazone von Ljubimovka“ (Ukraine, 4. Jh. v. Chr.) werden Pfeilspitzen und ein Kurzschwert, Schmuck und ein Schminkspiegel gezeigt. Erstmals sind die Skelette und das Inventar der Doppelbestattung aus Ak Alacha 1 (Russland, 4./3. Jh. v. Chr.) ausgestellt. Der 40 Jahre alt gewordene Krieger und die 16-jährig verstorbene Kriegerin waren in Hinsicht auf ihre Beigaben gleichberechtigt. Beide trugen mit hölzernen Tieren geschmückte Spitzmützen aus Filz und waren mit Dolch und Streitpickel bewaffnet.

Weiteres Glanzlicht sind das Schwert und die Perlenkette aus dem Grab einer Kriegerin in Georgien. Börner folgert: „Das Kriegertum von Frauen kann also tatsächlich den historischen Kern des Amazonenmythos bilden.“

Den Ausklang bilden Arbeiten, die das Nachleben der Amazonen in der Kunst belegen. Blickfang sind Anselm Feuerbachs Gemälde „Amazonenschlacht“ (um 1856/57) und Franz Stucks Statuette „Amazone zu Pferde“ (Bronze, vor 1905), die Kampfkraft mit erotischen Reizen verbinden.

Bis 13.2.2011, Infos: Tel. 06232-620222, www.museum.speyer.de. Begleitbuch (Edition Minerva): 24,90 Euro

Von Veit-Mario Thiede

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