Schwertfisch als Waffe

Revue „Mann über Bord“ wurde in der Komödie begeistert aufgenommen

Müssen sich arrangieren: Beatrice (Astrid Schulz, von links), Anezka (Annette Mayer) und Ines (Sema Mutlu). Foto: Schachtschneider

Kassel. Wenn sie mit vorgeschobener Unterlippe und Angeberhaltung die superwichtigen Typen nachmachen, die „nur noch kurz die Welt retten“ müssen, und dabei den gleichnamigen Tim-Bendzko-Song anstimmen, klatscht das Publikum sofort mit.

Mit lautstarkem Gelächter und viel Mitschwoofen ist am Donnerstagabend in der voll besetzten Komödie die Premiere der Revue „Mann über Bord“ (Verlagsrechte: Antonia Rothe-Liermann, Regie: Dominik Paetzholdt) über die Bühne gegangen. Die Geschichte handelt von drei Frauen, die sich bei Sekt und Knabberstangen auf einer Flusskreuzfahrt kennenlernen, erst absolut nicht ausstehen können und dann merken, dass sie alle mit demselben Mann liiert sind.

Astrid Schulz ist die verbitterte Beatrice, die die FAZ liest und über Schopenhauer debattiert, Sema Mutlu brät als Schwäbin Ines am liebsten Schnitzel und Annette Mayer ist als Polin Anezka für die Leidenschaft zuständig. Mit welcher Verve sich die drei Darstellerinnen in ihre Rollen stürzen, wie sie sie an den Rand der Lächerlichkeit bringen und je krasser, desto mehr Identifikations- und Sympathiepunkte aus dem Saal fischen, macht viel Spaß.

Astrid Schulz kann herrlich trocken Dünkel und Überheblichkeit abfeuern und ganz allein mit gebleckten Zähnen Beatrices Verachtung deutlich machen. Annette Mayer ist als Anezka in der deutsch-polnischen Sprachverwirrung (sie isst „Lachs-Kaus“ lieber als „rollende Möpse“) liebenswert und trägt den Leopardenmini souverän. Und die großartig bühnenpräsente Sema Mutlu gibt ihrer Ines sogar dann noch Charme, wenn die seekrank herumtaumelt und dazu „Dieses Kribbeln im Bauch“ anstimmt.

Choreografiert von Regina Weber präsentieren die Powerfrauen Tänze und mal freche, mal soulige Songs von Herbert Grönemeyers „Männer“ bis Aretha Franklins „Natural Woman“, vom Twist bis „Ein Schiff wird kommen“ (musikalische Leitung: Stephan Ohm).

Am Schluss nutzen die Ladys den Deko-Schwertfisch als Waffe und finden sektunterstützt ein zufriedenstellendes Arrangement. Denn ein und denselben Mann rund um die Uhr? Das wäre auch nichts.

Kartentelefon: 0561/18383.

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