Standpunkt

"Schwiegertochter gesucht": Ein Schelm, wer Böses denkt?

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Zum zweiten Mal dabei: Kandidat Marco (42) posiert mit Moderatorin Vera Int-Veen (50).

Der private Fernsehsender RTL hat am Sonntag neue Söhne für seine Soap "Schwiegertochter gesucht" vorgestellt. Dazu ein Standpunkt von HNA-Volontär Gregory Dauber.

Sonntag, 19.05 Uhr. Der Privatsender RTL räumt den neuen männlichen Kandidaten bei „Schwiegertochter gesucht“ eine Top-Sendezeit ein.

Der Termin zeigt, wie wichtig die vermeintliche Datingsoap für den Sender ist. Vermeintlich, weil doch anzunehmen ist, dass der Großteil der Zuschauer nicht einschaltet, um die große Liebe zu finden. Es geht um Belustigung. Die Witze machen dabei allerdings nicht die Kandidaten. Die Witze macht der Sender über die Kandidaten, in dem er sie konsequent Bademeistergehilfe Guido oder Howard-Carpendale-Imitator Mario nennt und aberwitzige Alliterationen einstreut. Moderatorin Vera Int-Veen treibt in kaum erträglicher, perfider Art das Spiel mit den Alleinstehenden voran.

Beim 42-jährigen Kandidaten Marco wird die Hinterlistigkeit erstmals deutlich. Der „Handelsfachpacker Marco“ war schon 2011 mit dabei. Er wird als „begeisterter Bingo-Spieler“ und „modebewusster Minigolfer“ vorgestellt. Bei einer gemeinsamen Runde Vogel-Bingo – Int-Veen hat das Spiel mitgebracht – spricht die erfahrene Showmasterin mit Marco, als sei der ein kleiner Junge. Die dazu eingespielte Musik tut ihr Übriges. Der etwas begriffsstutzig wirkende und alleinlebende Mann wird auf ganzer Linie vorgeführt. Marco bekommt nun „eine zweite Chance“, soll mit seiner Kandidatin in den Urlaub fliegen, um sich kennenzulernen. Marco saß übrigens noch nie in einem Flugzeug, welch Zufall.

Es ist kein konstruierter Vorwurf, dass RTL auf Kosten der Teilnehmer Quote und Kasse machen will. Wie würdelos RTL-Redakteure die Kandidaten inszenieren, deckten ZDF-Satiriker Jan Böhmermann und sein „Neo Magazin Royale“-Team 2016 auf. Sie schleusten den gefälschten Kandidaten und „schüchternen Schildkrötenliebhaber“ Robin in die Show. Hauptsache skurril, um nicht zu sagen lächerlich, war die unverkennbare RTL-Devise. Das RTL-Produktionsteam wurde daraufhin ausgetauscht, doch am Stil der Sendung änderte sich nichts. Die zuständige Landesmedienanstalt leitete nach einer Vorprüfung kein Verfahren ein. Wer Empathie besitzt und das „Verafake“-Video kennt, kann die Schwiegertochter-Suche wohl kaum lustig finden. 

Das Böhmermann-Video zu Verafake

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