Schwierige Zeiten: Wie die Kult-Uhr von Casio zum Objekt von Terroristen wurde

Islamistische Terroristen tragen gern die Casio F-91W. Foto: ap

In den 80ern und 90ern musste man seinen Mitschülern nur auf die Armbanduhr schauen, um zu wissen, was für Menschen sie waren: Die Coolen trugen gar keine und kamen zu spät zum Unterricht. Die Schwulen, ja, so glaubten manche, hatten eine Swatch aus der Schweiz am Handgelenk. Und die Freaks besaßen eine Casio - am besten noch mit eingebautem Taschenrechner.

Heute wissen wir, dass die Welt nicht so simpel tickt, aber die US-Militärs denken heute noch so. Von der Plattform Wikileaks veröffentlichte Geheimdokumente belegen, dass der Besitz einer Digitaluhr von Casio für die Joint Task Force ein Erkennungsmerkmal islamistischer Terroristen ist. Die Uhr sei ein „Zeichen für Al-Qaida, die die Uhr beim Bombenbau nutzt“, heißt es.

Die Auszubildenden in den afghanischen Trainingslagern bekommen Casio-Modelle demnach als Begrüßungsgeschenk. Anschließend lernen sie, wie sie mithilfe der Uhren Zünder bauen. Die US-Soldaten haben bei der Festnahme genau nachgezählt und 32 Gefangene mit dem schwarzen Modell F-91W notiert sowie 20 mit dem silbernen A-159W.

Ist die Casio für Terroristen also das, was Springerstiefel für Neonazis sind? Für den japanischen Hersteller wäre das keine gute Werbung. Seine Geräte sind Teil der Pop-Kultur. Schon 1983 im US-Actionfilm „Das fliegende Auge“ zeigte eine Casio AA-85 den Countdown an. Später tauchte die G-Shock-Serie immer wieder in Blockbustern wie „Mission Impossible“ auf. Heute tragen Modebewusste gern die alten Retro-Modelle.

Manche meinen trotzdem, die Zeit der Armbanduhr sei abgelaufen - nun, da jeder ein Smartphone in der Tasche hat, das noch viel mehr kann als die Zeit anzeigen. Im Grunde gibt es heute nur noch zwei Uhrenliebhaber: Läufer, die ihren Puls immer im Blick haben wollen, und Männer, die mit einer fetten Rolex Frauen imponieren wollen.

Letztere könnten von einem Guantánamo-Häftling lernen, der sich „Injektionen zur Förderung der Impotenz“ setzen ließ - er wollte wegen des Heiligen Krieges nicht mehr von Frauen abgelenkt werden.

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