Jazzsängerin Lyambiko tritt nächste Woche in Kassel auf

„Schwingen können wir am allerbesten“

Vergnügt: Jazzsängerin Lyambiko kommt wieder nach Nordhessen. Foto:  nh

Kassel. Die Jazzsängerin Lyambiko hat in Kassel eine große Fangemeinde. Sie wird mit ihrem Ensemble nächste Woche beim Jazzfrühling bereits ihr 15. Konzert in zehn Jahren bei Theaterstübchen-Leiter Markus Knierim geben. Im Interview erinnert sie sich an ihre Anfänge und spricht über ihre Zukunft.

Erinnern Sie sich eigentlich noch an Ihren Kasseler Auftritt? Damals waren Sie 25 / 26?

Lyambiko: Oh ja, ich hatte in der Anfangszeit ziemliche Unsicherheiten. Jetzt weiß ich: Ich habe etwas, und damit kann ich auf die Bühne gehen. Diesen Status habe ich mir über Jahre erarbeitet, weil ich heute weiß, ich habe etwas zu sagen und ich will das mit dem Publikum teilen.

Es gibt auf Ihrem aktuellen Album „Something Like Reality“ einen Titel, „Work Song“, den Sie schon bei Ihrem ersten Auftritt in Kassel gesungen haben und der auf Ihrem ersten Album ist. Wie hat sich „Work Song“ mit Ihnen verändert?

Lyambiko: Das ist einer der ersten Standards, die ich gelernt habe. Als ich zum ersten Mal im Theaterstübchen auf der Bühne stand, war ich gerade ein Jahr im Geschäft, ich war absolute Anfängerin. Damals haben wir den Titel eher traditionell gespielt. Er hat mich über die Jahre begleitet, das Lied ist so stark, das wollte ich auch auf der neuen Platte haben. Aber eben anders. Wir haben den Song zerpflückt, ihn zeitlich gestreckt und spielen nicht mehr klassisch jazzig, sondern viel freier.

Mit dem Titel „Don’t Stand By Me“ beschreiten Sie Neuland: Sie haben Bläser ins Ensemble geholt. Ist das Ihr neuer Weg?

Lyambiko: Nein, es ist einfach der Song, der am meisten schwingt. Und schwingen können wir am allerbesten.

Trotzdem: Sie betreten immer wieder auch die Gefilde von Pop und Soul - gehen Sie ein Stück weg vom Jazz?

Lyambiko: Nein. Ich gehe immer wieder in mich und frage mich, wo willst du hin? Und stelle fest: Ich will eigentlich nirgendwo anders hin. Ich will beides machen, Jazz und Soul/Pop. Ich habe mal Lust auf ein reines Jazzalbum und mal auf eins, das alle Stile verbindet.

Wie suchen Sie die Stücke anderer Autoren aus, die Sie übernehmen? Aktuell ist das etwa „Crossroads“ von Tracy Chapman.

Lyambiko: Ich war in meiner Jugend großer Tracy-Chapman-Fan. Wir hatten eine Mädchenband im Gymnasium, Six Brown Eyes, mit der hatten wir drei Chapman-Alben im Repertoire.

Welche Rolle hatten Sie?

Lyambiko: Ich habe gesungen und Saxofon gespielt. Aber das war ja nur eine Schülerband ...

... und vor allem eine für Tracy Chapmans Musik.

Lyambiko: Genau. Ich habe die Kolleginnen von der Band lang aus den Augen verloren. Neulich kam die Gitarristin zu einem Konzert in Thüringen und stand auf einmal vor mir. Das hat mich sehr bewegt. Deshalb wollte ich zur Erinnerung an unsere Band einen Chapman-Song aufnehmen.

Gibt es einen Titel, den Sie unbedingt in nächster Zeit in Ihr Repertoire übernehmen wollen?

Lyambiko: Ich habe Lust, mich mit George Gershwin zu beschäftigen. Neulich bin ich auf das Lied „Who Cares“ gestoßen, und ich möchte berühmte, aber auch unbekanntere Titel von ihm singen.

Ihre Stimme hat sich verändert seit dem ersten Album bis zum aktuellen. Woran liegt das? Macht man das bewusst?

Lyambiko: Das ist sicher Reife und Training. Auch mein Geschmack verändert sich mit den Jahren, ich setze die Stimme anders ein. Ich denke, in der Stimme liegen auch Unbefangenheit und Naivität. Die möchte man sich als künstlerisches Mittel erhalten, auch wenn sie nicht mehr da sind.

Nervt es Sie manchmal, dass Jazz-Ensembles nicht unwesentlich auf die Attraktivität der Sängerin setzen?

Lyambiko: Hmm, das empfinde ich nicht unbedingt als zutreffend auf uns. Finde es aber schmeichelnd. Schließlich geht die Zeit auch an uns nicht spurlos vorbei. Na ja, ich verstehe jedenfalls, dass die Plattenfirmen versuchen, eine CD als attraktives Gesamtpaket zu verkaufen.

Auftritt am 24.3., 20 Uhr, Spardabank, Ständeplatz.

Von Bettina Fraschke

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