Nina Kunzendorf im Interview über Scientology und den Film „Bis nichts mehr bleibt“ - Mittwochabend, 20.15 Uhr, ARD

Debatte um kritischen Scientology-Film

Bereits im Vorfeld hat der ARD-Film „Bis nichts mehr bleibt“ für Aufsehen gesorgt: Die Scientology Organisation wirft der ARD eine Diskriminierungskampagne vor. Wir haben mit der Hauptdarstellerin Nina Kunzendorf gesprochen.

Endlich mal wieder ein „heißes Eisen“ im Fernsehen. Die ARD strahlt am Mittwochabend ab 20.15 Uhr den Spielfilm „Bis nichts mehr bleibt“ über die umstrittene Organisation Scientology aus. Ein Projekt, das seit Drehbeginn unter Geheimhaltung gestanden hat, um keine Juristen auf den Plan zu rufen. Es geht um einen Vater, der es schafft, sich aus den Fängen der „Psycho-Sekte“ zu befreien, dabei aber seine Frau und sein Kind verliert. In einer Hauptrolle ist Nina Kunzendorf als Scientologin Helen zu sehen. Wir sprachen mit der 38-Jährigen.

Frau Kunzendorf, was hat Sie daran gereizt, eine Scientologin zu spielen?

Nina Kunzendorf: Ich war von dem Buch, das Regisseur Niki Stein entwickelt hat, sehr berührt. Da musste ich nicht lange überlegen. Man hat nicht oft das Glück, ein so gut geschriebenes Buch auf dem Tisch zu haben, das außerdem noch ein wichtiges Thema transportiert.

Können Sie nachvollziehen, dass man als problembehafteter junger Mensch empfänglich für Angebote von Scientologen ist?

Kunzendorf: Schon. Aber es sind längst nicht alle, die bei dieser Organisation landen, psychisch labil, wie mir Experten versichern. Die meisten kommen durch persönliche Kontakte zu Scientology. Der eine verspricht sich mehr Selbstbewusstsein, ein besseres Kommunikationsvermögen. Der Andere ist verführbar durch ein bestimmtes Machtbedürfnis. Der Nächste sehnt sich nach einer ganz starken Struktur, einer Gruppe. Es gibt nicht den Scientologen.

Haben Sie nach einer schwachen Stelle bei sich gesucht?

Kunzendorf: Ganz bewusst, ja. Vor allem bei einem Coaching-Wochenende für uns Schauspieler. Da war ausreichend Zeit und Gelegenheit, sich mit einigen üblen Scientologen-Praktiken zu beschäftigen, die auch in diesem Film zu sehen sind. Aber ich habe nicht wirklich einen verführbaren Punkt bei mir gefunden.

Scientologen sprechen aber nicht nur Erwachsene an, sondern ködern teilweise bereits Schulkinder.

Kunzendorf: Beim Thema Kinder und Scientology bin ich richtig angefressen. Das könnte bedrohliche Dimensionen annehmen. Wenn meine Kinder mit so etwas in Berührung kämen. Ich glaube, ich würde zum Tier werden.

In Niki Steins Film sind Sie zunächst selber Täter, später dann Opfer. Suchen Sie sich gerne Rollen mit Brüchen?

Kunzendorf: Ja, und nach meinem Geschmack hätte der Sprung ruhig noch größer sein können. Aber hier wird ja nicht nur Helens Geschichte erzählt.

Haben Sie keine Angst vor Repressalien seitens der Scientologen?

Kunzendorf: Nein, wir sind ja nicht in den USA. Ich finde es einfach nur toll, Teil von so einem Projekt zu sein. Es wäre ja schlimm, wenn das in Deutschland Mut erfordern würde.

Von Harald Heinzinger

Zur Person

Nina Kunzendorf , geboren 1971 in Mannheim, hat an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg studiert und spielt an den Münchner Kammerspielen. Ihr Fernsehdebüt gab sie im Nachkriegsdrama „Verlorenes Land“. Den Grimme-Preis in Gold erhielt sie 2006 für ihre darstellerische Leistung in der „Polizeiruf 110“-Episode „Der scharlachrote Engel“. Zudem wird die 38-Jährige neue „Tatort“-Kommissarin des Hessischen Rundfunks. Nina Kunzendorf ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt bei München.

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