Sebastian Krumbiegel: Ein schicker Klavierspieler

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Engagierter Gegner rechter Tendenzen: Prinzen-Frontmann Sebastian Krumbiegel überzeugte im Schlachthof auch als politisch ernsthafter Künstler.

Kassel. Schon vom Preis „Klavierspieler des Jahres“ gehört? Nicht etwa die Tastengötter Lang Lang und Brad Mehldau haben ihn bekommen, zu den Preisträgern zählen vielmehr Promis wie Michael Schanze, Hera Lind - und Sebastian Krumbiegel.

Der hat die Auszeichnung sogar in einem Lied verarbeitet: „Du wirst von keinem mehr gedisst, wenn du Klavierspieler des Jahres bist.“

Diese ironische Textzeile sang Krumbiegel auch im Kulturzentrum Schlachthof, wo sein fast dreistündiges Solo 60 Gäste bestens bei Laune hielt. Um ein mehrfach verwendetes Adjektiv des Sängers und Klavierspielers zu gebrauchen: ein „schickes“ Konzert.

Nuancenreichtum an den Tasten wird man dem Prinzen-Frontmann nicht unbedingt nachsagen. Dafür umso mehr das Gespür für geistreiche Texte und die Begabung zum Geschichtenerzählen. Ein locker parlierender, dabei politisch ernsthafter Künstler.

Von den Prinzen war nur „Zurück ins Paradies“ dabei, es gab Lieder aus Krumbiegels Album „Solo am Piano“, alte Schlager sowie Stücke von Rio Reiser und Udo Lindenberg wie dessen aufrüttelndes „Er wollte nach Deutschland“ über einen inhaftierten Flüchtling.

Als engagierter Gegner rechter Gewalt stellte Krumbiegel, der 2003 von Neonazis zusammengeschlagen worden war, fest, dass gewisse Tendenzen auch aus der Mitte der Gesellschaft kommen.

In ein Rätsel verpackte er ein Anti-Stück auf den einst heiß diskutierten Bestseller-Autor Thilo Sarrazin: „Wer ist der Mann? Das ist nicht schwer, das ist genau, du weißt schon wer. Der, dessen Namen wir nicht nennen, denn bald schon wird ihn keiner mehr kennen.“

Von Georg Pepl

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