Nach der Choreografischen Werkstatt verlassen Benjamin Block und Leyla Postalcioglu das Kasseler Ensemble

Sechs Jahre sind eine Ewigkeit

Verlassen das Kasseler Staatstheater nach sechs Jahren: Benjamin Block (30) und Leyla Postalcioglu (28) arbeiten demnächst als freie Tänzer in Berlin. Fotos: Ketz

Kassel. Kurz bevor Benjamin Block die Stadt verlässt, hat er doch noch seinen Lieblingsort in Kassel entdeckt. 2007 hatte der Tänzer in unserem Fragebogen gestanden, dass der Lieblingsort „mich erst noch finden muss“. Vor einigen Tagen schaute er während eines Gewitters aus dem Küchenfenster seiner Wohnung in der Humboldtstraße. Der Blick reichte bis in die Aue, und da wusste Block, dass dies ein Bild ist, das er bald vermissen wird.

Der 30-Jährige wird noch mehr vermissen. Seit 2004 gehörten der Berliner und die Türkin Leyla Postalcioglu dem Ensemble des Staatstheaters an - das ist eine kleine Ewigkeit. In der Choreografischen Werkstatt, in der neun Tänzer morgen und Donnerstag im tif eigene Choreografien zeigen, stehen sie zum letzten Mal auf der Bühne. Kassel verliert damit zwei beliebte Gesichter und seinen größten Tänzer: Block ist über zwei Meter groß.

Wie Postalcioglu wurde er an der Essener Folkwang-Hochschule ausgebildet. 2004 kamen beide mit dem taiwanesischen Choreografen Kuo-Chu Wu nach Kassel, der zwei Jahre später starb. Nur eine Woche nach dem Tod des Tanzdirektors begann das Ensemble mit der Arbeit mit Johannes Wieland, der schließlich Wus Nachfolger wurde.

Block wird nun als freier Tänzer in seiner Heimatstadt arbeiten, und auch Postalcioglu zieht offiziell nach Berlin. In Wirklichkeit wird sie die nächsten Monate jedoch mit dem Rucksack verbringen: Erst besucht die 28-Jährige ihre Schwester in New York, anschließend tanzt sie zum ersten Mal seit zehn Jahren in der Türkei, wo sie zuletzt nur zum Urlaub war. Und dann plant sie ein abendfüllendes Stück mit Block.

Was danach kommt, weiß Postalcioglu noch nicht, aber sie sagt: „Ich habe das Gefühl, dass da etwas kommt.“ Ihre Choreografie für die Werkstatt ist ein Stück über Optimismus und eine Art Eigentherapie. Vielleicht gibt es ein Happy End wie in den Filmen, die Postalcioglu so schätzt. Die Cineastin war sogar Jury-Mitglied beim Dokumentarfilmfest. Lieblingsplätze hatte sie in Kassel zwei: Ihre Wohnung lag zwischen den Kinos Bali und Gloria.

Choreografische Werkstatt: Das Leben ist kein Wunschkonzert. Mittwoch und Donnerstag, 20.15 Uhr, tif. Karten: 0561/10 94 - 222.

Von Matthias Lohr

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