Der Seelentröster

Konzertveranstalter Fritz Rau ist mit 83 Jahren gestorben

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Inniger Kontakt zu den Künstlern: Rockstar Peter Maffay (links) mit Konzertveranstalter Fritz Rau (2001).

Förderte Fritz Rau einen Künstler, dann tat er das bedingungslos. Das merkten alle, für die Rau arbeiteten, und aus genau diesem Grund vertrauten sie ihm. Die Liste derer, mit denen Fritz Rau Konzerte veranstaltete, ist schier endlos und klingt wie ein Wer-ist-Wer der Musikgeschichte.

Er holte Bob Dylan zum ersten Mal nach Deutschland, arbeitete mit Madonna, Eric Clapton und Bruce Springsteen. Mit Frank Zappa, den Doors, mit Queen, David Bowie und Jimi Hendrix. Viele von ihnen nennen ihn nur „Papa Rau“. So wie Mick Jagger von den Rolling Stones. Gestern ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

Rau ließ Peter Maffay, der wie ein Ziehsohn für ihn wurde, im Vorprogramm der Stones spielen und wetterte gegen jene, die den Deutschrocker ausgebuht hatten. Fritz Rau war Vaterfigur und Seelenmasseur. So sagte er: „Es war während Bob Dylans erster Deutschlandtour 1978. Nachts um vier rief mich Bob an, der in unserem Hotel das Nachbarzimmer hatte. Er überlege ständig, ob er als Jude auf dem Zeppelinfeld spielen könne, wo die Nazis ihre Kundgebungen abgehalten hatten. Also ging ich rüber und wir redeten, und schließlich trat Dylan doch auf, und sein Auftritt war triumphal.“

Fritz Rau gab seinen Anwaltsberuf auf, wurde Mädchen für alles im Konzertbüro von Horst Lippmann, liebte Blues und Jazz. 1963 wurde er Lippmanns Partner. Die beiden veranstalteten Hallenkonzerttourneen und die ersten Open-Air-Konzerte Deutschlands, und Rau erfand ganz nebenbei die Cateringliste. Auf Tour mit Janis Joplin war das, die ohne ihre geliebte Flasche Tequila nicht auftreten wollte. Um ähnliche Vorkommnisse künftig zu vermeiden, verschickte Fritz Rau vor allen Konzerten Listen an die örtlichen Veranstalter, auf denen genau aufgeführt war, was der Star und sein Tross essen und trinken wollten.

Der gebürtige Pforzheimer freute sich aber nicht nur in seinem badischen Akzent über „Mei Künschtler“. Lief etwas schief, wurde aus Fritz Rau schon mal der „Ayatollah Choleri“, wie er in der Branche auch genannt wurde.

In den letzten Jahren wurde es stiller um Fritz Rau. Der zweifache Vater war mit seinem Buch „50 Jahre Backstage“ zu Lesungen unterwegs, aber eine Bypass-Operation und ein Schlaganfall hatten ihn, den Mann, der durch seine Präsenz allein jeden Raum füllen konnte, geschwächt. Zuletzt lebte er in einer Seniorenresidenz im Taunus.

Von Ralph-Michael Krum

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