Zu Gast in Calden: Die Band Santiano im Interview

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Calden. Mit ihrem Shanty-Rock ist die Band Santiano ganz oben in den Charts. Nun gastiert die Band aus Schleswig-Holstein zum Open-Air-Konzert im Schlosspark Wilhelmsthal in Calden. Schlagzeuger Timsen Hinrichsen erklärt im Interview den unglaublichen Erfolg des Quintetts.

Santiano sind vielleicht die erfolgreichste Schnapsidee der deutschen Musikgeschichte. Nach einer Menge Alkohol schmetterten Timsen Hinrichsen, Björn Both und drei andere Musiker im Oktober 2011 auf der Party eines Produzenten Seemannslieder. Die kamen so gut an, dass die fünf Norddeutschen Santiano gründeten. Seitdem segelt die Band von einem Charts-Erfolg zur nächsten Goldenen Schallplatte. Wir sprachen mit Gitarrist Hinrichsen (48) vor dem Open-Air-Auftritt der Gruppe am 17. Juli im Schlosspark Wilhelmsthal in Calden bei Kassel.

Herr Hinrichsen, Ihr Tourplan ist beeindruckend. In unserer Region waren Sie zweimal im Frühjahr, nun kommen Sie nach Calden, und auch die Termine für 2015 sind schon gebucht. Die Nachfrage muss riesig sein. 

Timsen Hinrichsen: Wir können es auch nicht glauben. Das ist wie mit den CD-Verkäufen. Zunächst gab es für unser erstes Album Gold, mittlerweile haben wir Vierfachplatin. Die zweite CD hat auch schon Doppelplatin. Genauso ist es mit den Kartenverkäufen. Anfangs haben wir 1000er-Hallen bespielt. Nun treten wir in Berlin und Hamburg vor 12 000 Leuten auf. Das ist der Burner.

Sie haben gesagt, Santiano seien auch deshalb so erfolgreich, weil sich die Menschen nach Zusammenhalt sehnen. 

Hinrichsen: Es hat mit Sicherheit mit den Textinhalten zu tun. In unseren Liedern geht es viel um Zusammenhalt. Während die Gesellschaft zwischen Arm und Reich auseinanderfliegt, geht es in der Seefahrt darum, dass einer für den anderen da ist und der Starke dem Schwachen hilft. Das besingen wir. Auch unser musikalischer Mix aus Folk und Rock berührt die Menschen wohl irgendwo. Das alles ist nicht erklärbar, aber das finden wir auch gut: Es soll ja ein bisschen Zauber bleiben.

Ist in der Band auch der Starke für den Schwachen da? Oder gibt es da fünf Egoisten? 

Hinrichsen: Nein, wir sind natürlich ein Haufen Häuptlinge. Vor Santiano kannten wir uns alle aus der Ferne, aber wir hatten zuvor musikalisch nichts zusammen gemacht. Bei unseren bisherigen Projekten hatte jeder für sich das Sagen, nun muss jeder mal zurückstecken. Manchmal labern wir so lange über ein Thema, bis alle zufrieden sind. Ein Egotrip eines Einzelnen passt da nicht rein.

Video aus dem Archiv: Santiano im Interview

Wie nennen Sie eigentlich Ihre Mischung aus Seemannsliedern, Irish Folk, Rock und Pop? 

Hinrichsen: Das wissen wir auch nicht so genau. Wenn man uns als Shanty-Rocker bezeichnet, können wir ganz gut damit leben. Grundsätzlich will man sich als Musiker nur ungern in eine Schublade stecken lassen. Man möchte nicht eingeengt sein. Andererseits ist es für den Hörer hilfreich, wenn man sagen kann, die Band klingt wie die Toten Hosen oder Silbermond. Ich sage immer: Wir machen Seemannslieder und Folk.

Das neue etwas rockigere Album haben Sie als Windstärke sechs bezeichnet im Vergleich zum Debüt, mit dem Sie noch bei Windstärke drei gesegelt seien. Klingen Santiano bald nach Windstärke zwölf?

Hinrichsen: Nicht unbedingt. Auf der Tour nach der ersten Platte haben wir unsere Lieder etwas wuchtiger gespielt und gemerkt, dass die Leute das auch gut finden. Deshalb haben wir die zweite Platte etwas rockiger gemacht. Wie sich die neuen Songs anfühlen werden, kann man noch nicht sagen. Genau darum geht es ja in der Musik. Irgendwas spielen kann jeder, aber die Emotionen aus einem Song herauszukitzeln, das ist die Kunst.

Von Matthias Lohr 

Neben Santiano holt die Kasseler Agentur MM Konzerte noch drei weitere hochkarätige Acts zu Open-Air-Konzerten in den Schlosspark Wilhelmsthal in Calden.

Donnerstag, 17. Juli, 20 Uhr: Santiano

Freitag, 18. Juli,18 Uhr: Sportfreunde Stiller (Vorbands: Deine Freunde und Go Go Berlin)

Samstag, 19. Juli, 20 Uhr: Xavier Naidoo (Support: Ersan & Michael, ausverkauft)

Sonntag, 20. Juli, 19 Uhr: Chris de Burgh.

Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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