Sehenswert: Meryl Streep als „Eiserne Lady“ auf der Berlinale

Wird angefeindet: Margaret Thatcher (Meryl Streep). Foto:  Berlinale

Berlin. Schauspiel-Königin Meryl Streep ist das Beeindruckendste im Film „Die Eiserne Lady“ über Großbritanniens konservative Polit-Ikone Margaret Thatcher, der bei der Berlinale in einer Sondervorführung zur Ehrung Streeps gezeigt wurde.

Die Queen der Leinwand beweist darin als Premierministerin einmal mehr ihre Strahlkraft und Verwandlungsfähigkeit. Sie ist es, die den Film von Phyllida Lloyd zu einem sehenswerten Vergnügen macht.

Konzeption und visuelle Aufarbeitung der Geschichte hingegen haben Schwächen. Die britische Regisseurin Lloyd, die mit Streep schon bei dem Musical-Film „Mamma mia!“ zusammengearbeitet hat, und Drehbuchautorin Abi Morgan zerstückeln die Biografie der ersten Frau an der Spitze einer europäischen Regierung in zwei Teile, die nicht recht zusammenfinden.

Thatcher wird zum einen als demente Frau gezeigt, die wie ein tatteriges Gespenst im Morgenmantel durch ihre Wohnung huscht und mit ihrem längst verstorbenen Mann Denis (wunderbar: Jim Broadbent) scherzt.

Fotos: Gold für die "Eiserne Lady" Meryl Streep

Gold für die "Eiserne Lady" Meryl Streep

Thatcher sieht beim Herumgeistern Fotos, und von dort aus blendet dann der Film in die Vergangenheit zu Maggies Karriere von ihrer Kindheit im Krämerladen ihres Vaters über ihre Wahl zur Abgeordneten in den 50ern, ihre Parteikarriere und ihre Jahre als Premierministerin (1979-1990).

Doch diese Sequenzen bleiben kurze Schnipsel, die dem politischen Lebenswerk der immer auch umstrittenen Führungsfigur nicht gerecht werden. Die verschwommenen Fernsehbilder, die Demos oder Einsätze im Falkland-Krieg dokumentieren sollen, funktionieren zudem auf der Leinwand überhaupt nicht.

Phyllida Lloyd konzentriert sich auf einen thematischen Aspekt: Frau dringt in Männerdomäne ein. Daraus gewinnt sie erschütternde Szenen, wenn Thatcher etwa erste Reden im Parlament hält und von der Opposition lächerlich gemacht wird. Später gibt es zunehmend Proteste in der Regierung und draußen im Land gegen ihren Sparkurs.

Lloyd zeigt, wie die Vollblut-Politikerin mit unbedingtem Führungswillen und mit klaren konservativen Idealen eine Stärke und Überzeugungskraft gewinnt, die im heutigen Politbetrieb selten geworden ist. Vielleicht hat Thatcher recht, wenn sie für die Politik konstatiert: „Die Menschen denken heute nicht mehr, sie fühlen.“

Deutscher Filmstart: 1. März.

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